Bitcoin hat seit Oktober fast die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Mehrere Indikatoren, die in der Vergangenheit das Ende von Abschwüngen signalisiert haben, deuten jedoch darauf hin, dass sich der Ausverkauf seinem letzten Abschnitt nähern könnte. Das sagt Brett Munster von Blockforce Capital, der bereits drei frühere Boom- und Crashzyklen im Kryptomarkt begleitet hat.

Munster verfolgt vier Kennzahlen, um einzuschätzen, wo sich Bitcoin im aktuellen Crashzyklus befindet. Einer dieser Indikatoren hat bereits einen Bereich erreicht, der in der Vergangenheit mit Markttiefs zusammenfiel. Zwei weitere Kennzahlen liegen im Bereich von 54.000 bis 58.000 Dollar – und damit noch unter dem Bitcoin-Kurs vom Montag (16.3.) von über 73.000 Dollar.

Die Kryptowährung hatte im Februar kurzzeitig die Marke von 60.000 Dollar erreicht, bevor sie sich wieder erholte. Damit hat Bitcoin laut Munster bereits den oberen Rand einer möglichen Bodenbildungszone berührt.

Einstieg besser schrittweise als punktgenau
Der Abstand zwischen dem aktuellen Kursniveau und den Bereichen, in denen die übrigen Indikatoren vollständig ausgelöst werden würden, könnte auf den ersten Blick zur Vorsicht mahnen. Munster sieht das anders.

Im vergangenen Bärenmarkt habe der Unterschied zwischen einem Einstieg bei 19.000 Dollar und dem tatsächlichen Tief bei 15.600 Dollar für langfristige Anleger kaum eine Rolle gespielt. Seine Empfehlung lautet daher, schrittweise Positionen aufzubauen, statt auf den perfekten Einstiegszeitpunkt zu warten.

Ein endgültiger Boden sei zwar nicht garantiert. Dennoch scheint nach seiner Einschätzung "der Großteil des Rückgangs bereits hinter uns zu liegen", während sich das Chancen-Risiko-Verhältnis langsam zugunsten der Käufer verschiebe. Eine mögliche Trendwende könnte sich im Laufe des Jahres abzeichnen.

Vier Kennzahlen im Blick
Der bereits ausgelöste Indikator ist der sogenannte MVRV Z-Score, der zeigt, ob Bitcoin über oder unter seinen On-Chain-Kosten gehandelt wird. Fällt dieser Wert unter 0,4, gilt Bitcoin historisch als unterbewertet. Derzeit liegt er bei etwa 0,38.

Bei den übrigen Kennzahlen ist es noch nicht so weit:

  • Der Realized Price – also der durchschnittliche Preis, zu dem jeder Bitcoin zuletzt auf der Blockchain bewegt wurde – liegt derzeit bei rund 54.000 Dollar.
  • Der 200-Wochen-Durchschnitt, der in früheren Zyklen häufig als Unterstützungsniveau diente, liegt bei etwa 58.000 Dollar.
  • Zudem deutet das Muster sinkender maximaler Kursverluste zwischen Hoch und Tief auf einen möglichen Tiefpunkt zwischen 45.000 und 55.000 Dollar hin.

Aus diesen Indikatoren ergibt sich laut Munster eine wahrscheinliche Akkumulationszone zwischen etwa 45.000 und 60.000 Dollar.

Nachfrage durch Bitcoin-ETFs kehrt zurück
Selbst wenn der Verkaufsdruck nachlasse, brauche eine nachhaltige Erholung neue Nachfrage. Erste Anzeichen dafür seien bereits sichtbar.

In den vergangenen Monaten hatten US-Spot-ETFs auf Bitcoin Mittelabflüsse verzeichnet. Zuletzt kehrten jedoch wieder Zuflüsse zurück. Laut von "Bloomberg" zusammengestellten Daten flossen in den vergangenen vier Wochen mehr als 1,6 Milliarden Dollar in entsprechende Fonds, darunter Blackrocks IBIT und Van Ecks HODL. "Sobald der Verkaufsdruck nachlässt, können schon moderate neue Zuflüsse den Markt bewegen", sagt Munster.

Bitcoin-Bullen hoffen auf Trendwende
Für viele Bitcoin-Anhänger sind das willkommene Signale nach Monaten mit massiven Kursverlusten. Die größte Kryptowährung war von über 126.000 Dollar, die Anfang Oktober 2025 erreicht wurden, deutlich gefallen. Dies hatte auch den Optimismus infolge von kryptofreundlichen politischen Maßnahmen unter US-Präsident Donald Trump gedämpft.

Kleinere Kryptowährungen waren teilweise noch stärker unter Druck geraten.

Exakter Tiefpunkt bleibt schwer bestimmbar
Den exakten Tiefpunkt eines Bärenmarktes zu bestimmen, sei jedoch nie eine exakte Wissenschaft. Märkte könnten auch dann weiter fallen, wenn technische Signale bereits auf eine Bodenbildung hindeuten.

Trotzdem sieht Munster derzeit ein asymmetrisches Chancen-Risiko-Verhältnis zugunsten steigender Kurse. Wer versuche, die letzten Prozent eines Rückgangs exakt zu timen, verpasse häufig die anschließende größere Aufwärtsbewegung. Langfristig würden Anleger, die in solchen Marktphasen Positionen aufbauen, meist belohnt – selbst wenn sie das exakte Tief nicht treffen. (mb/Bloomberg)