Vertrauliche Unterlagen des Nachrichtenmagazins "Profil" geben der immer lauter werdenden Verzweiflung der Unternehmen über zögerliche Kreditvergaben einen Zahlenrahmen. Die Hotlines der staatlichen Förderstelle Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) registrierten allein im April Tausende Anrufe von Unternehmern, die von Problemen mit der Hausbank und der Bürokratie berichteten, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Das Profil verweist auf vertrauliche Berichte der AWS an den Finanzminister für die Kalenderwochen 16 bis 18, in dem von mehr als 5.000 Anrufern die Rede ist. Annähernd 50 Prozent klagten über Schwierigkeiten bei der Kreditgewährung, rund ein Drittel beschwerte sich über den bürokratischen Aufwand zur Erlangung der AWS-Überbrückungsgarantien.

Kein Kredit trotz Garantie, Steuerberater erforderlich
Ein Auszug aus dem Bericht führt unter anderem folgende Schwierigkeiten auf: "Unternehmer fühlen sich teilweise den Banken 'ausgeliefert'; keine Kreditgewährung trotz Vorliegen aller Voraussetzungen für eine AWS-Garantie; Kreditgewährung nur mit zusätzlichen Sicherheiten trotz 100% AWS-Garantie; Kreditgewährung nur mit zusätzlichen Bearbeitungsgebühren; Schwierigkeiten, die vorhandenen bereitgestellten Tools korrekt zu verwenden – nur mit Hilfe von Steuerberater für viele möglich".

Aus der Regierung war in den vergangenen Wochen wiederholt Kritik am Bankensektor laut geworden. Es zeigt sich, dass die Politik dort oft nur schrittweise vorankommt. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck verkündete unlängst einen Gebührendeckel, der immerhin in Verhandlungen mit Erste Group, Raiffeisen und Bank Austria erzielt wurde.

Finanzminister: "Probleme bestehen immer noch"
Finanzminister Gernot Blümel, der die Probleme zuletzt ebenfalls öffentlich angesprochen hat, sagte gegenüber "Profil": "Das Feedback deckt sich mit Rückmeldungen, die wir in den vergangenen Wochen aus der Wirtschaft erhalten haben und teilweise leider immer noch erhalten." Die Situation bei der Kreditvergabe verbessere sich zwar, aber man erwarte sich "von den Banken rasche und unbürokratische Abwicklungen, damit die staatlich garantierten Kredite rasch in den Unternehmen ankommen“.

Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer, verwies gegenüber "Profil" auf die Komplexität der Garantieinstrumente und aufsichtsrechtliche Vorgaben. Das vom Aws beschriebene Ausmaß scheint er aber nicht anzuerkennen: Insgesamt führe dies "in manchen Fällen tatsächlich dazu, dass die gewünschte Finanzierung nicht so rasch vergeben werden konnte wie erwartet."

Laut AWS haben mittlerweile 8.400 Unternehmen über das staatliche Hilfsprogramm 1,9 Milliarden Euro an Krediten erhalten (AWS-Garantievolumen: 1,6 Milliarden); weitere 730 Anträge mit 320 Millionen Euro Garantievolumen waren vergangene Woche in Bearbeitung. (eml)