Experten sehen zwar ein verlangsamtes Wachstum der Weltwirtschaft, aber keine Anzeichen für eine Rezession: "Weder sind eine zeitnahe Rezession noch eine baldige Erholung wahrscheinlich", sagt Nikolaj Schmidt, Chief International Economist bei T. Rowe Price. "Vermutlich werden die kommenden sechs Monate ein geringes Wachstum verzeichnen. Erst danach ist eine wirtschaftliche Entspannung denkbar."
 
Verantwortlich für den Wachstumsrückgang seien hauptsächlich drei Faktoren. Zum einen sei China deutlich gegen die Verschuldung vorgegangen, was sich direkt auf das Kreditwachstum ausgewirkt habe. Einen weiteren Faktor sieht der Experte in weltweiten politischen Unsicherheiten, beispielsweise dem Anstieg von Populismus oder Handelskonflikten. "Müssen Unternehmen entscheiden, ob sie eine Milliarde Dollar investieren, wissen sie gerne, in welchem Umfeld sie sich bewegen. Im Zweifelsfall warten sie ab, und das verlangsamt das Wachstum", sagt Schmidt. Der dritte zentrale Faktor sei die restriktive Geldpolitik der Vereinigten Staaten. Ein starker Dollar führe zu Kapitalbewegungen von der Peripherie ins Zentrum und das sei nie gut für das globale Bruttosozialprodukt. 

Die Boten eines Abschwungs sind nicht erkennbar 
Für gewöhnlich würden Rezessionen durch markante makroökonomische Ungleichgewichte, wie beispielsweise Konsum- oder Investmentsprünge, angekündigt. Die Folge sind dann hohe Leistungsbilanzdefizite, Verschuldung und teilweise stark steigende Immobilienpreise. "Die Konsumanstiege erreichten in den letzten Jahren jedoch kein Ausmaß, dass solch markante Ungleichgewichte entstehen würden, die dann zu einer Rezession führen“, analysiert Schmidt. "Zwar ist die Unternehmensverschuldung in Amerika hoch und der Lohndruck steigt – noch ist das Ausmaß aber nicht so hoch.“ Eine Rezession hält Schmidt deshalb für unwahrscheinlich. Vielmehr sei auf dieser Grundlage mit einer Erholung im späteren Verlauf dieses oder Anfang kommenden Jahres zu rechnen. (fp)