Die Emerging Markets stehen angesichts der Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Kurzfristig ist der Ausblick tendenziell negativ, sagt Jan Sobotta, Anlageprofi bei Swisscanto Asset Management. Auf lange Sicht sind die Wachstumsprognosen allerdings attraktiv. So erwarten etwa die Vereinten Nationen, dass die Zahl der Erwerbstätigen in den Emerging Markets zwischen 2018 und 2050 um rund 1,25 Milliarden Menschen ansteigen wird. Ein Großteil der künftigen globalen Produktion und des Konsums wird also in den aufstrebenden Märkten stattfinden.

Hinzu kommt: Im Vergleich zu früheren Schwächephasen wie etwa der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 stehen die Schwellenländer nun auf stabileren Beinen. "Die Leistungsbilanzen sind insgesamt ausgeglichener, die Auslandsverschuldung ist tiefer und es bestehen hohe Währungsreserven", sagt Sobotta. Die Regierungen hätten es somit selbst in der Hand, die Wirtschaft mit den richtigen Reformen wieder auf die Beine zu bringen.
 
Chancengleichheit für die Bevölkerung
Die Emerging Markets dürften im Durchschnitt stärker wachsen als die Industriestaaten. Dafür sorgen unter anderem die demografischen Strukturen, die anhaltende Urbanisierung sowie der Nachholbedarf beim Konsum. Eine Herausforderung bleiben die negativen Begleiterscheinungen des unkontrollierten Wachstums, wie die massive Umweltverschmutzung, eine unzureichende Wasserinfrastruktur oder eine unterentwickelte Gesundheitsversorgung.

Für Sobotta liegt der Schlüssel zur Lösung des Dilemmas zwischen dem angestrebten Wirtschaftswachstum und den negativen Begleiterscheinungen einerseits bei der Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch. Andererseits "muss aber auch die Chancengleichheit für die gesamte Bevölkerung gefördert werden, damit alle vom Wohlstandswachstum profitieren können." (fp)