In den vergangenen Wochen ging es in der Europäischen Union (EU) vor allem um die Besetzung verschiedener hochrangiger Posten. Das hat nach Ansicht von Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Hamburger Sutor Bank, ohne Eklat geklappt. Abseits der Politik sieht er allerdings Nachholbedarf bei der EU: "In Wirtschaftsangelegenheiten sind die Europäer immer für ein Eigentor gut", sagt Neumann.

Die Gründe für die Wirtschaftsprobleme sind seiner Ansicht nach vielfältig: "Sei es der Brexit mit all seinen Auswirkungen, die deutlich steigenden Neuverschuldungen in Frankreich und Italien oder der Dieselskandal, der mit der Autoindustrie eine der Schlüsselbranchen Europas erschüttert." Diese Entwicklungen seien mit daran Schuld, dass das Wachstum der Eurozone in diesem Jahr deutlich unter ein Prozent gesunken ist.

Steht die nächste Krise bevor?
Eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank ist damit vorerst vom Tisch. "Zinserhöhungen könnten bei den derzeit schwachen Wachstumsraten in der Eurozone den Aufschwung komplett abwürgen", sagt Sutor-Vermögensverwalter Neumann. Das beeinflusst auch die Rendite der Zehnjährigen Bundesanleihe – sie ist seit Monaten im Minusbereich. "Dies zeigt, dass viele Anleihe-Investoren Angst haben, dass die nächste Krise unmittelbar bevorstehen könnte", analysiert Neumann. (fp)