Das nie in Betrieb genommene Kernkraftwerk Zwentendorf ist nicht nur die größte Investitionsruine der zweiten Republik. Seine Ablehnung durch große Teile der Bevölkerung und der Politik gilt auch als ein wesentlicher demokratischer Aspekt, der über die Parteigrenzen hinweg verbindend wirkt. Umso erstaunlicher das Investitionsverhalten im Lande: 63 Prozent der größten österreichischen Fonds sind in Atomkraft investiert. Das ergibt zumindest eine Untersuchung der Plattform "Was macht mein Fonds?".

Grundlage für die Erhebung war die Studie "Carbon Bubble & Divestment" in Kooperation mit der Beratungsagentur Günsberg und Green Alpha. Die Studie untersucht die 100 größten österreichischen Fonds (Gesamtvolumen 28,2 Milliarden Euro). Zusätzlich wurden auch 38 ethisch veranlagte Fonds mit einem Volumen von über vier Milliarden Euro auf ethische (Waffen) und nachhaltige oder grüne Aspekte (Kohle, Öl & Gas, Atomkraft) geprüft.

Drei Viertel sind an Kohle, Atomkraft oder Waffen beteiligt
Von den 100 untersuchten Fonds sind drei Viertel in mindestens eines der Themen Kohle, Atomkraft oder Waffen investiert. 7,1 Prozent sind an fossilen Energieunternehmen beteiligt. Positiv ist aber, dass sich das Volumen der Kohle-Investments in den letzten Jahren verringerte, heißt es in einer Aussendung.

Einen deutlichen Trend gibt es bei Fonds, die als nachhaltig beziehungsweise ethisch gekennzeichnet sind. Mit einer einzigen Ausnahme sind diese Publikumsfonds seit der letzten Analyse gänzlich aus Kohle ausgestiegen. Dennoch befinden sich auch bei nachhaltigen Fonds 2,8 Prozent des Investitionsvolumens in Erdöl und Erdgas.

"Kein Vergleich möglich"
"Aktuell erhalten Privatanleger noch viel zu wenige Informationen über konkrete Nachhaltigkeitsaspekte, die ebenso Grundlage ihrer Investitionsentscheidung sein sollten", so Initiator Armand Colard. Bis heute gebe es noch keinen Nachhaltigkeits-Standard, anhand dessen man Fonds untereinander vergleichen könnte. "Was macht mein Fonds" will dies ab 2019 ändern und die heimischen Portfolios nach Kriterien wie Waffen, Kinderarbeit, fossile und nukleare Investments einordnen.

Das im November 2016 in Kraft getretene Pariser Klimaschutzabkommen der Vereinten Nationen sieht vor, die internationalen Finanzströme in Übereinstimmung mit den Klimazielen zu gestalten. Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb, die das Projekt "Was macht mein Fonds?" unterstützt, meint dazu: "Die Pariser Klimaziele anerkennen die Tatsache, dass dem Finanzsektor eine Schlüsselrolle im Prozess der Transformation zu einer dekarbonisierten Wirtschaftsweise zukommt. Mindestens zwei Drittel der bekannten, verwertbaren fossilen Reserven müssen dazu ungenutzt im Boden bleiben. Es ist wichtig, dass privates Kapital aus klimaschädlichen Veranlagungen abgezogen wird und stattdessen zukunftsweisende Projekte finanziert werden." (eml)