Gut Ding will Weile haben – dieses Motto gilt auch bei der Geldanlage: "Wenn Anleger ihre Investment-Allokation hektisch umschichten, um dadurch auf Marktveränderungen kurzfristig zu reagieren, führt dies selten zu langfristig guten Ergebnissen", sagt Achim Küssner, Geschäftsführer bei Schroder Investment Management, der Deutschland-Tochter des britischen Fondsanbieters Schroders. Im Gegenteil: Investoren laufen damit Gefahr, den Entwicklungen ständig hinterherzulaufen.

So gesehen haben Anleger in Deutschland und Österreich bei ihrem Anlagehorizont viel Nachholbedarf. Deutsche Investoren halten ihre Kapitalanlagen im Schnitt nämlich nur 3,1 Jahre, zeigt die aktuelle Schroders-Global-Investor-Studie. Sie liegen damit zwar über dem weltweiten Mittelwert (2,6 Jahre), jedoch um fast zwei Jahre unter dem empfohlenen Anlagezeitraum von mindestens fünf Jahren.

Ein Drittel der Deutschen sagt sogar, dass sie ihre Anlagen weniger als ein Jahr halten. Österreicher sind bei der Geldanlage noch hektischer unterwegs. Sie verkaufen Titel nach durchschnittlich 2,8 Jahren. 

Lange Gesichter allenthalben
Ein möglicher Grund für den fehlende Geduld beim Geldanlegen sind die weiterhin sehr optimistischen – um nicht zu sagen: unrealistischen – Performancevorstellungen vieler Privatanleger. Weltweit erwarten Investoren in den nächsten fünf Jahren im Durchschnitt eine Gesamtrendite von 10,7 Prozent pro Jahr. Österreicher rechnen mit durchschnittlich acht Prozent Wertzuwachs, deutsche Investoren immerhin mit wirklichkeitsnäheren 6,8 Prozent. Eine Langzeitstudie von Credit Suisse kam für US-Aktien jüngst zu dem Ergebnis, dass inflationsbereinigt im Schnitt Jahresrenditen von 6,4 Prozent realistisch sind.

Die Erwartungen der Befragten stehen im Kontrast zur Wertentwicklung der großen Aktienindizes wie dem US-Aktienindex S&P 500 oder dem deutschen Leitindex Dax. Beide Indizes verbuchten 2018 unterm Strich Wertrückgänge – zur großen Enttäuschung der Investoren. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) aller Umfrageteilnehmer gaben zu Protokoll, dass sie in den vergangenen fünf Jahren ihre Anlageziele nicht erreicht haben. (fp)