Das sogenannte Helikopter-Geld – also der direkte Geldtransfer von Zentralbanken an Verbraucher – wurde bislang als radikale Form der Konjunkturbelebung angepriesen, um die stockende Inflation in Gang zu bringen. Eine Studie des Fondsanbieters ING legt nun allerdings den Schluss nahe, dass ein solcher Schritt keine allzu große Wirkung haben dürfte. Demnach würde eine Mehrheit der Befragten (52 Prozent) das Geld eher sparen als ausgeben, wenn sie ein Jahr lang jeden Monat 200 Euro auf ihr Konto überwiesen bekämen. Lediglich 26 Prozent würden das meiste Geld ausgeben, und 15 Prozent würden es nutzen, um ihre Schulden abzuzahlen.

ING hat für die Studie rund 12.000 Verbraucher in zwölf europäischen Ländern befragt. "Falls sich die Menschen so verhalten, wie sie es in der Umfrage angegeben haben, würde sich die Frage nach der Effektivität dieser Art von Verteilung stellen", sagt Ian Bright, leitender Volkswirt von ING. Seinen Worten zufolge wäre es daher eine Alternative, das Geld an die Staaten für Infrastrukturausgaben, Steuersenkungen oder zur Verringerung der Staatsschulden zu übergeben. Doch diese Option kommt für die Europäische Zentralbank (EZB) nicht in Frage: Ihr ist es verboten, Regierungen oder Staaten ohne Umwege zu finanzieren.

Draghi: "Sehr interessantes Konzept"
Die gesamte Idee des Helikopter-Geldes dürfte manchem zwar bizarr erscheinen, doch das Konzept wird unter Volkswirten ernsthaft diskutiert. Denn Billionen von US-Dollar, die die Zentralbanken in der ganzen Welt in den vergangenen Jahren in die Finanzmärkte pumpten, schafften es nicht, Wachstum und Inflation anzukurbeln. Währungshüter haben bislang noch nicht signalisiert, dass sie Helikopter-Geld als zulässiges Werkzeug erachten. Mario Draghi, Präsident der EZB, hatte Helikopter-Geld zu Jahresbeginn als ein "sehr interessantes Konzept" bezeichnet. (fp)