Auf den ersten Blick wirkt es  - bis auf wenige Einzelfälle - ganz so, als hätten Finanz-Start-ups die Hochphase der Pandemie ohne größere Einbußen überstanden. Investoren griffen zuletzt sogar noch tiefer in die Tasche als zuvor: Für die Berliner Smartphone-Bank N26 gab es knapp 85 Millionen Euro frisches Kapital, für Auxmoney 150 Millionen Euro. Dem Zahlungsdienstleister Klarna gaben Investoren weitere 550 Millionen Euro.

Laut dem aktuellen Fintech-Report der niederländischen Investmentgesellschaft Finch Capital sieht man derzeit aber lediglich die Ruhe vor einem Sturm, der es in sich haben wird. "Wir erwarten, dass sich der Wettbewerb um neues Kapital verschärft und es zu einer massiven Konsolidierung in der Branche kommen wird", sagt Radboud Vlaar, Co-Gründer von Finch Capital, gegenüber dem "Handelsblatt". 

Sobald die Finanzspritzen der europäischen Regierungen aufgebraucht seien, dürfte es für etliche Fintechs eng werden. Kleine Firmen, die mit weniger als 500 Millionen Euro bewertet sind, könnten zu Übernahmekandidaten werden, prophezeit Vlaar. Nur wenige seien bereits profitabel, viele Geschäftsmodelle ähnelten sich stark. Genau deshalb könnte allerdings ein Gesundschrumpfen dem europäischen Markt sogar guttun. 

The winner takes it all
"Nur die am besten laufenden Unternehmen werden einfach eine Finanzierung finden", sagt auch Christian Nagel, Mitgründer des Wagniskapitalgebers Earlybird, gegenüber dem "Handelsblatt". "Die Starken werden stärker. Mittelmäßig oder gar schlecht laufende Unternehmen werden es schwerer haben als vor der Krise." Auch ob eine Firma übernommen wird, hängt stark von ihrer Größe ab, sagt Investor Vlaar: "Anders als in den USA fehlt es in Europa an Investoren, die große Übernahmen stemmen. Deshalb sind Übernahmen mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro hier unwahrscheinlich." (fp)