Bei einer dreijährigen Wirtschaftskrise würden die Kapitalpuffer bei Europas Banken rund ein Drittel einbrechen und damit immer noch als widerstandsfähig gelten. Das ist das Ergebnis des neuen Stresstests, den die Europäische Bankenaufsicht EBA gemeinsam mit dem Europäischen Rat für Systemrisiken (ESRB), der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Regulatoren durchführt.

Untersucht wurden 89 europäische Institute, die zusammen rund 75 Prozent der sektoralen Gesamtaktiva ausmachen. Im Detail würde die harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) durchschnittlich um 5,2 Prozentpunkte (von 15,1 auf 9,9 Prozent) sinken, wenn die Banken einer dreijährigen Stressphase mit schwierigen gesamtwirtschaftlichen Bedingungen ausgesetzt wären. Die CET1-Quote gilt als eine wesentliche Messgröße für die finanzielle Solidität einer Bank. Insgesamt seien die Banken besser aufgestellt als beim Vorgängertest vor drei Jahren, lautet das Fazit der EZB. Es wird betont, dass der Stresstest nicht anzeigt, ob eine Bank "besteht", sondern es sich um eine Basis für die Arbeit der Aufseher handelt. Es gibt keine Schwelle, ab der eine Bank als "durchgefallen" gilt.

Sechs österreichische Banken im Mittelfeld
In Österreich wurden sechs Banken untersucht: Erste Group Bank und Raiffeisen Bank International (die beiden Großbanken wurden unter Führung der EBA getestet), so wie Bawag, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Volksbanken und Sberbank (hier war die EZB verantwortlich). Insgesamt landeten die Institute laut FMA im europäischen Mittelfeld – alle sechs haben nach Anwendung des harten Stress-Szenarios, das von einem starken Wirtschaftseinbruch, höherer Arbeitslosigkeit, negativen Wechselkursentwicklungen, sinkenden Immobilienpreisen und steigenden Kreditausfällen ausgeht, die gesetzlichen Kapitalerfordernisse erfüllt.

Durch Reduktion von Problemkrediten und Kostenreduktionen habe ein deutlich härteres Szenario als beim Stresstest 2018 bewältigt werden können, heißt es in einer Aussendung der österreichischen Regulatoren FMA und Nationalbank (OeNB). OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber schränkt jedoch ein: "Das Ergebnis entspricht unseren Erwartungen, es ist aber auch kein Grund zum Feiern". Die Banken müssten an ihrer Kosteneffizienz arbeiten, die Profitabilität verbessern und bei Gewinnausschüttungen Zurückhaltung üben, um Kapital aufzubauen, meint Haber.

Dividendennachzahlungen
Damit unterstützt Haber wohl jene Banken, die noch nicht mit Dividendennachzahlungen an die Öffentlichkeit gegangen sind: Häuser wie die Bawag oder die Erste Group haben vor einigen Tagen Nachzahlungen für 2019 und 2020 angekündigt, nachdem die EZB ihren angesichts der Covid-Krise ausgesprochenen Dividendenstopp für die Finanzindustrie zurückgenommen hatte. Die RBI (Raiffeisen Bank International) hält sich hingegen vorerst noch bedeckt.

Der EU-weite Stresstest wird alle zwei Jahre für größere Banken durchgeführt. Die letzte Überprüfung fand 2018 statt, der ursprünglich für 2020 geplante Test wurde aufgrund der Pandemie auf 2021 verschoben. Parallel führen OeNB und FMA einen Stresstest für jene österreichischen Banken durch, die nicht vom EU-weiten Stresstest erfasst sind. Diese Ergebnisse werden von der OeNB Ende November im Financial Stability Report veröffentlicht. (eml)


Service: Die Ergebnisse der 38 größeren Banken veröffentlicht die EZB unter diesem Link. Erstmals hat auch die EZB auch ausgewählte Informationen zu den 51 mittelgroßen Banken veröffentlicht, die nicht Teil der EBA-Stichprobe sind. Die Ergebnisse können ebenfalls bei der EZB heruntergeladen werden.