Die Volatilität des vom Center for Financial Studies seit 2007 alle drei Monate erstellten CFS-Index blieb zuletzt weiter hoch. Wie das CFS mitteilt, verbesserte sich dieses Stimmungsbarometer in der jüngsten Umfrage um 8,1 auf 106,9 Punkte. Dies signalisiere ein positives Wachstumsniveau über dem neutralen Stand von 100 Punkten und sei der stärkste jemals gemessene Anstieg seit Beginn der Index-Erhebungen. Er folgt unmittelbar auf den stärksten jemals gemessenen Rückgang, der den CFS-Index im Vorquartal unter 100 Punkte rutschen ließ.

Die jetzt unerwartet positive Entwicklung basiert laut CFS auf Umsatz-, Ertrags-, und Investitionszuwächsen und einem geringeren Stellenabbau bei den Finanzinstituten im zweiten Quartal. Getrübt werde diese bessere Stimmung durch rückläufige Umsatz-, Ertrags-, Investitions- und Mitarbeiterzahlen der Branche.

"Die Finanzinstitute rechnen bei der Geschäftsentwicklung mit dem günstigen V-Szenario und einem milden Verlauf der Kreditausfälle. Mit diesem Optimismus sieht sich die Branche als Teil der Lösung und nicht als drohendes Risiko für die Finanzstabilität", kommentiert CFA-Direktor Andreas Hackethal die Ergebnisse. Lutz Raettig, Präsident der freiwilligen Branchenorganisation Frankfurt Main Finance, sieht die Ursache für diese positive Entwicklung in den schnellen politischen Reaktionen auf die Corona-Krise: "Die zahlreichen umfassenden Hilfsmaßnahmen und Förderkredite, die unter anderem von der KfW im Auftrag der Bundesregierung aufgelegt wurden, wirken. Zudem rechne ich mit weiteren positiven Impulsen, wenn die Verhandlungen über den Brexit wieder Fahrt aufnehmen, denn es sollte noch während der deutschen Ratspräsidentschaft zu einer Einigung kommen."

Banken, Versicherer und Fondsanbieter legten zu
Die Finanzinstitute – Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften und ähnliche Institute meldeten laut Umfrage ein deutliches Wachstum ihres Geschäftsvolumens (Indexanstieg um 9,5 auf 121,9 Punkte). Der Sub-Index, der die Erträge widerspiegelt, erreicht bei den Finanzinstituten mit einem Anstieg um 4,5 Punkte einen Wert von 107,8 Punkten und befindet sich nun 3,4 Punkte über dem Stand des Vorjahres.

Weniger gut verlief das zweite Quartal für Unternehmen, für die die Finanzbranche ein wichtiger Auftraggeber ist (Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Nachrichtenagenturen etc.), hier fiel der Rückgang um 8 auf 100,5 Punkte jedoch weniger dramatisch aus als befürchtet. Sie verzeichnen einen Rückgang des Ertragswachstums um 8,9 Punkte auf ein jetzt negatives Wachstumsniveau von 97,5 Punkten. Für das dritte Quartal erwarten die Finanzinstitute ein stabiles Umfeld, auch die Dienstleister gehen davon aus, dass sich das negative Wachstum nicht weiter fortsetzt.

Auch das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute ist im zweiten Quartal gestiegen, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die Umsatz- und Ertragswerte. Der entsprechende Sub-Index steigt um 1,0 auf 102,8 Punkte und liegt nun 3,3 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Die Dienstleister melden mit -13,7 Punkten einen extremen Rückgang des Investitionsvolumens auf einen Stand von 94,4 Punkte. Dieser Rückgang fällt deutlich stärker aus als die Umsatz- und Ertragsrückgänge dieser Branche. Für das laufende Quartal bewerteten beide Branchen ihre Lage etwas besser.

Finanzbranche als Arbeitgeber
Der anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute fiel im zweiten Quartal geringer aus als im Vorquartal. Der Mitarbeiter-Sub-Index verbesserte sich um 2,3 Punkte auf 97,5 Punkte und liegt nur noch 1,1 Punkte unter dem Vorjahresstand. Im Bereich der Dienstleister kam es zuletzt hingegen erstmals seit dem Jahr 2009 wieder zu einem Stellenabbau. Der entsprechende Sub-Index dank um 6,5 auf 99,0 Punkte und liegt jetzt 13,4 Punkte unter dem Wert des Vorjahres. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute mit einem leichten Anstieg des Stellenabbaus, die Dienstleister erwarten keine weiteren Jobverluste. (gf)