"Steigende Zinsen bringen Unordnung in die Welt, und das ist gut für aktive Manager", sagte Stefan Rehder, Gründer und Geschäftsführer der Münchener Vermögensverwaltung Value Intelligence Advisors (VIA) auf dem FONDS professionell Investmentforum, das vergangene Woche durch Österreich tourte. "Wir befinden uns in einer Zeit, in der man nicht mehr einfach einen Index kaufen kann. Man muss wieder nachdenken", so der Chef der Fondsboutique.



Bei höheren Zinsen stehen Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und geringer Verschuldung tendenziell besser da als Wachstumstitel, deren Bewertungen vor allem auf künftigen Gewinnerwartungen beruhen. "Buy and hold stößt bei steigenden Zinsniveaus an Grenzen", so Rehder, dessen VIA sich auf eine risikoarme Variante des Value-Investings konzentriert. "Die Idee, dass man durch Vermeidung von Verlusten, Performance generiert, ist ist ein wenig in Vergessenheit geraten", so Rehder. Während der Markteinbrüche 2020 und 2022 verzeichneten die VIA-Produkte wenig oder kein Minus, so etwa der Value Intelligence Fonds. "Da haben wir Vorsprung herausgearbeitet".

"Wir mögen KI"
Für die kommenden Jahre rechnet Rehder mit einem stagflationären Umfeld mit niedrigem Wirtschaftswachstum bei höherer Inflation. Ein Grund für die Inflation sei die zunehmende Ologopolbildung in wichtigen Zukunftsbranchen. In Bereichen wie Künstlicher Intelligenz oder deren Zulieferindustrien könnten wenige Anbieter immer stärker die Preise bestimmen. KI sei "ein Thema, das wir mögen". "Es gibt Blasen, aber auch sehr gute Unternehmen", so der Experte. Als Beispiel nannte er die koreanische Samsung Electronics, die als DRAM-Weltmarktführerin das faktische Oligopol bei Arbeitsspeichertechnologien anführt.

Wie aktive Manager sich durch das Erkennen von Trends abheben, demonstrierte am Investmentforum die hierzulande noch wenig bekannte schwedische Fondsgesellschaft Finserve. Der 2019 aufgelegte Finserve Global Security Fund erzielte 2025 einen Wertzuwachs von über 52 Prozent mit Investments in Verteidigung, Cybersicherheit und Raumfahrttechnologien.

Expertise im Verteidigungsbereich
"Unsere Gründer haben früh realisiert, dass es Russland um die Landnahme geht und gleichzeitig die Militärspendings in Europa auf einem Tief sind", sagte Analyst Fredrik Ljungdahl. Im Advisory Board sitzen Vertreter der schwedischen Streitkräfte, die Gründer der Gesellschaft kommen ebenfalls aus dem Verteidigungsbereich.

Der enge Kontakt zur Branche helfe, Entwicklungen zu antizipieren. So sei es dem Fondsmanagement gelungen, früh die finnische Bittium als wahrscheinlich neue Aufklärungs-partnerin des spanischen Militärs zu identifizieren und die Aktien ins Portfolio aufzunehmen, nachdem sich Spanien von der israelischen Software Pegasus trennte.

Südkorea als wichtiger Markt
Zu den wichtigen Märkten zählt für Finserve Südkorea, das mit einer aktiven Wirtschaftspolitik glänzt und technologisch weit vorn ist. "Korea produziert billiger und kann schneller liefern als alle anderen", so Ljungdahl. Zu den Beteiligungen gehört etwa der koreanische Militär-Elektronikanbieter Hanwha Systems. "Wir müssen in dieser Welt von Alliierten kaufen", so Ljungdahl.

Trotz aller politischen Unsicherheiten sehen viele Fondsmanager weiterhin große Chancen in den USA. Für Ulrich Kaffarnik, Kapitalmarktstrategie bei DJE Kapital und kein Fan von US-Präsident Donald Trump, sind insbesondere die massiven Investitionen der großen Technologiekonzerne ein starkes Argument. Amazon, Google, Microsoft, Meta und Oracle würden bis 2027 zusammen Investitionen von mehr als einer Billion US-Dollar tätigen. "Das ist ein ganz stabiler Investitionszyklus", sagte Kaffarnik.

"Kann sich die EU nicht gefallen lassen"
Sorgen bereitet ihm hingegen das Verhältnis zwischen Europa und China. Das tägliche Handelsdefizit der Europäischen Union (EU) gegenüber China liege bei rund einer Milliarde Euro. "Damit wird sich die EU auseinandersetzen. Das kann sich die EU nicht gefallen lassen", so Kaffarnik.

Weniger pessimistisch als VIA-Gründer Rehder sieht Oliver Sharbati, Portfolio Strategist bei PGIM die Lage. Eine Stagflation erwartet er nicht. "Die Megabörsengänge, die wir gerade sehen, stehen eher für eine Erhitzung", so Sharbati. Er geht von Produktivitätsgewinnen durch KI in den USA aus. PGIM setzt ebenfalls konsequent auf aktives Management – auch bei den ETFs habe man nur aktive Produkte. Im Fixed Income-Bereich rät der Anleihenspezialist aufgrund der unklaren Zinslage beziehungsweise eher steigenden Zinsen noch immer zu kürzeren Laufzeiten.

CLOs im Fokus
Interessant seien derzeit Collateralized Loan Obligations (CLOs), also strukturierte Produkte auf Unternehmenskredite. Historisch hätten AAA- und AA-CLOs höhere Renditen bei geringerer Schwankung erzielt als klassische Unternehmensanleihen. Abgebildet werden sie etwa im PGIM AAA CLO Fund.

Darüber hinaus sieht Sharbati weiterhin attraktive Chancen in den Schwellenländern. Gerade dort sei aktives Management im Vorteil, weil die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stark voneinander abweichen. "Wenn man sich strategisch positionieren will, führt an Emerging Markets kein Weg vorbei, von der Größe der Bevölkerung her aber auch fiskalpolitisch", betonte er. (eml)