Der britische Starmanager Richard Woolnough von M&G beobachtet, dass immer mehr Technologieriesen Anleihen auf den Markt bringen, die mit attraktiven Renditen aufwarten. "Alphabet, Amazon und Meta haben Anleihen in einem Umfang begeben, wie er in dieser Branche selten zu beobachten ist", schreibt Woolnough in dem M&G-Blog "Bond Vigilantes".

"Zusammengenommen gehören diese Konzerne mittlerweile zu den wichtigsten Trägern des weltweiten Angebots an Unternehmensanleihen – eine Entwicklung, die zunehmend den Markt für Investment-Grade-Anleihen umkrempelt", führt Woolnough aus. "Die größten Technologieunternehmen treten in einen Investitionszyklus ein, der sich nicht allein aus dem Cashflow finanzieren lässt."

"Gewinne wichtiger als das Emissionsvolumen"
Hintergrund dieses hohen Kapitalbedarfs sei zum einen der Ausbau von Rechenzentren und der Infrastruktur für künstliche Intelligenz. "Dies ist selbst für die Verhältnisse des Technologiesektors außerordentlich kapitalintensiv", erläutert der M&G-Manager. "Wie schon in früheren Investitionszyklen in der Telekommunikations- und Medienbranche werden die Bilanzen ausgeweitet, um das zu finanzieren, was als nächste Phase des strukturellen Wachstums angesehen wird."

Zum anderen treibe die US-Politik den Trend voran, so Woolnough. Steuerliche Anreize würden wie Subventionen wirken. Die Profitabilität von Investionen in den USA verbessere sich drastisch. Diese Ausgangslage wollen die Konzerne nun nutzen – und nehmen dafür Kapital auf.

Kaum Druck auf Kreditqualität
Normalerweise würde eine so umfangreiche Ausgabe von Anleihen Druck auf die Kreditqualität ausüben. "In diesem Fall ist jedoch die Höhe der Gewinne wichtiger als das Emissionsvolumen", meint Woolnough. Selbst die hohe Kreditaufnahme führe angesichts der hohen Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nur zu moderaten Veränderungen der Verschuldungsquote. Alphabet, Amazon und Meta würden deutlich innerhalb der Schwellenwerte für gute Investment-Grade-Ratings bleiben, betont der Fondsmanager.

"Eine deutliche Verzerrung"
Dennoch bleibe die Nachfrage begrenzt. "Diese Unternehmen nehmen zwar einen immer größeren Anteil an den wichtigsten Anleiheindizes ein", so Woolnough. Doch im Gegensatz zu Aktienanlegern würden Anleiheportfolios in der Regel strengen Diversifizierungsvorschriften unterliegen. "Das bedeutet, dass selbst Emittenten mit hoher Bonität Schwierigkeiten haben können, zusätzliche Käufer zu finden, wenn das Angebot stark ansteigt."

Kurzfristig falle es dem Anleihemarkt schlichtweg schwer, Emissionen in dieser Größenordnung aufzunehmen. "Die Folge ist eine deutliche Verzerrung", führt der Manager des M&G Optimal Income Fund aus. "Einige der größten und profitabelsten Unternehmen der Welt begeben Anleihen mit Risikoprämien, die im Vergleich zum breiteren Investment-Grade-Markt attraktiv erscheinen." Für Anleger ergebe sich daraus eine klare Chance, in "Big Beautiful Bonds" zu investieren, folgert der M&G-Manager. (fp)