Noch im Sommer herrschte an den Börsen große Unsicherheit, wie sich die wirtschaftspolitische Lage weltweit entwickeln würde. Doch je näher das Jahresende rückt, desto optimistischer und sorgloser werden die Anleger. "Jetzt ist Risikofreude statt Risikoscheu angesagt", beobachtet Ariel Bezalel, Chefstratege für Anleihen und Fondsmanager bei Jupiter Asset Management. Anleger hätten schlicht Angst, die Jahresendrally zu verpassen, und wagten sich deshalb stärker aus der Deckung. 

Die freundlichere wirtschaftspolitische Lage trage ihren Teil dazu bei. So stimme es viele Börsenteilnehmer zuversichtlich, dass die USA und China die "Phase 1" ihrer Verhandlungen abgeschlossen haben und damit ein erstes Handelsabkommen zwischen den beiden streitenden Großmächten besteht. Auch die lockere Geldpolitik der Notenbanken befeuere die Risikobereitschaft der Anleger: "In Bezug auf die Treiber hinter der Risk-On Rally kommt der Liquidität eine zentrale Bedeutung zu", sagt Bezalel. Die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan hätten ihre Bilanzsummern erneut erhöht.

Vorsicht ist trotzdem angebracht
Allerdings sollten Anleger nicht übertrieben optimistisch werden, warnt der Fondsmanager. Noch ist die Weltwirtschaft nicht stabil; die Konjunkturdaten bleiben durchwachsen – insbesondere in China – und der Handelskrieg zwischen den USA und der Volksrepublik ist noch lange nicht ausgestanden. (fp)