Jeffrey Gundlach, Vorstandschef und Gründer der Fondsgesellschaft Doubleline Capital, ist um klare Worte nie verlegen. Das gilt auch im Hinblick auf die bevorstehen Wahlen für die US-Präsidentschaft. Zwar würden die Meinungsforscher unisono Joe Biden deutlich in Front sehen, doch sei das vor vier Jahren genauso gewesen, darauf könne man nicht vertrauen. Gundlach verwies dabei auf die folgende Grafik, die das "Underdog"-Image von Trump damals und heute illustriert. Dabei liegt Trump heute viel besser als vor vier Jahren.

Meinungsmache statt seriöser Umfragen
Dieses Mal sei er etwas weniger stark davon überzeugt, dass Trump gewinnt, aber grundsätzlich gehe er davon aus, dass es so komme, so der Star-Bondinvestor.  Sehr oft seien die politischen Umfragen in den USA dazu da, Eindrücke zu vermitteln, anstatt die Realität abzubilden. Daher könne und solle man ihnen nicht vertrauen.

Als nächstes zertrümmerte Gundlach die Hoffnung auf die sogenannte "Blaue Welle“, also den totalen Triumph der Demokaten in Repräsentantenhaus und Senat sowie im Weißen Haus. Er argumentierte auf der Konferenz, dass die Republikaner wahrscheinlich ihre Mehrheit im Senat behalten werden, hauptsächlich wegen der Unsicherheiten um Joe Biden. Die Wähler würden ihre Stimmen dann eher splitten als eine Art "Versicherung".

Trump werde in den Medien als das größere Übel dargestellt, und dennoch habe es in den vier Jahren seiner Präsidentschaft trotz seiner oft harschen Sprache keine internationalen Konflikte militärischer Natur gegeben. Man könne Trump wegen der von ihm verfolgten Politik auf bestimmten Gebieten ablehnen, aber eine Fortsetzung seiner Präsidentschaft sei mit weniger Risiko verbunden als durch einen Wechsel zu den Demokraten, speziell dann, wenn der Kandidat zu bestimmten Themen nicht Position beziehe.

Unangenehme Konsequenzen eines Wahlsiegs von Biden
Sollte Biden doch gewinnen, würden wohl die letzten Steuersenkungen von 2017 rückgängig gemacht, wodurch die Aktienbewertungen stark stiegen, so der Doubleline-Gründer. Die Verringerung der Nachsteuer-Gewinne würde den Aktienanlegern nicht gefallen, und Inflation, Volatilität und Zinsen würden steigen. "Märkte mögen keine Unsicherheit, und mit Trump hat man mehr Berechenbarkeit und damit Sicherheit“, so Gundlach. Mit Biden hingegen habe man die maximale Unsicherheit, das es wenig Informationen über seine Pläne gebe.

Gundlach glaubt zwar nicht, dass Joe Biden ein Sozialist sei, doch es werde Druck von der Parteibasis geben, Steuer zu erhöhen. Es sei nicht leicht abzusehen, wohin die Reise mit Biden gehe, denn er habe in seiner langen politischen Karriere viele seiner Positionen gewechselt. Das Gegenteil treffe auf Bidens Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris zu, die laut Gundlach eine  links stehende Senatoren sei und lauthals ihre Positionen verkünde. Die Chance, dass die Vizepräsidentin ins Amt nachrücke, sei bei Biden groß. Man müsse die Wahrscheinlichkeit, dass eine ultralinke Präsidentin das Deficit Spending auf die Spitze treibe, miteinrechnen, und das wäre wohl ein großes Problem für die Aktien- und Rentenmärkte in den USA.

Kommt es 2027 zu großen Veränderungen?
Wer auch immer gewinne, 2020 sei ein weiteres Jahr in einer Serie von Wahlzyklen mit zunehmend mehr Aufruhr und Kuriositäten. Gundlach sagt voraus, dass 2027 die wirtschaftliche Ungleichheit und die angespannte Fiskal- und Geldpolitik zu einer Art von Revolution führen werde, wodurch die Präsidentschaft 2024 direkt in einem Strudel aus massiven Änderungen in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Belangen gerate. 

Aber von gravierenden Änderungen spreche man im Übrigen schon seit den letzten zwölf Jahren, und es habe sich noch nicht bewahrheitet. Gundlachs Fazit: "Wer glaubt, 2020 ist ein verrücktes Jahr, der soll auf 2024 warte. Ich kann nur sagen: Das war noch gar nichts!“ (kb)