In der Vergangenheit war die erste Handelswoche an den Börsen oft richtungsweisend für das ganze Jahr: Demnach müssen sich Anleger 2022 auf raue Zeiten einstellen, erwartet Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank Deutschland. Im neuen Jahr dürften die Finanzmärkte vor allem von einer stärkeren Nervosität der Akteure und folglich von einer steigenden Schwankungsbreite der Kurse bestimmt sein. "Zwischenzeitliche Kurskorrekturen von etwa zehn bis 15 Prozent sollten miteinkalkuliert werden", sagt Winkler. 

Während die Inflation in Deutschland mit 5,3 Prozent im Dezember auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren geklettert war, erweisen sich Lieferengpässe und Materialmangel ebenfalls zunehmend als Stimmungskiller. "Zwar ist davon auszugehen, dass sich die Lage in den nächsten Monaten wieder entspannen dürfte", sagt Winkler. Doch seien volatilere Marktphasen bis dahin nicht ganz auszuschließen.  

Volatile Kurse bieten auch Kaufchancen 
Vorübergehende Kurskorrekturen bieten aber auch Chancen, meint der Finanzexperte. Tiefe Kurse könnten sich für Anleger nämlich als gute Kaufgelegenheit entpuppen. Denn mit einem Bärenmarkt sei laut Winkler auf Grund der noch vollen Auftragsbücher vieler Unternehmen derzeit nicht zu rechnen. Zwar dürfte auch eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank Fed in nächster Zeit deutlich die Volatilität an den Märkten befeuern. Und: Viele Anleger werden sich erst noch an das veränderte Liquiditätsumfeld gewöhnen müssen. "Doch wird diese die Attraktivität des Aktienmarkts nicht in Mitleidenschaft ziehen", meint Winkler. (fp)