Der Jahresauftakt 2022 hat Kapitalanlegern herbe Verluste beschert. Vor allem Wachstumswerte leiden unter dem bevorstehenden Zinserhöhungszyklus. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat es bereits verlautbart: Sie wird ihre Leitzinsen anheben und diese dann im Laufe des Jahres mehrfach weiter erhöhen. Ebenso wollen die amerikanischen Notenbanker ihre aufgeblähte Bilanzsumme klar reduzieren. Es ist also an der Zeit, die Marktteilnehmer von der Geldschwemme der vergangenen Jahre zu entwöhnen, sagt Michael Winkler, Anlagestrategie-Chef bei der St. Galler Kantonalbank Deutschland: "Sie haben in den letzten Jahren vor allem davon profitiert, dass die Fed und die anderen großen Notenbanken die Märkte gestützt und Aktien weitgehend alternativlos gemacht haben." 

Der nun bevorstehende Liquiditätsentzug müsse sich aber nicht zwangsläufig negativ auf die Aktienmärkte auswirken: "Die Erfahrungen der Vergangenheit haben bereits gezeigt, dass in solchen Phasen die Aktienmärkte durchaus steigen können, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen." Und diese Rahmenbedingungen sind aus Sicht des Experten gegeben: So haben sich die zuletzt abverkauften Technologiewerte ihren antizyklischen Kaufzonen angenähert. Und trotz aller Unsicherheiten habe sich nichts an den mittelfristigen Treibern wie der durch die Pandemie beschleunigten Digitalisierung geändert. "Von daher sollten die größten Chancen in den nächsten Wochen bei den gefallenen Wachstumsaktien, also Tech-Werten, zu finden sein und nicht, wie von vielen erhofft, bei den Value-Werten", sagt er. (fp)