Aufgrund der Coronakrise mussten viele Staaten ihren Schuldenberg im vergangenen Jahr vergrößern. Nun warnen die Chefvolkswirte des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands in einem aktuellen Positionspapier: Die wachsende internationale Verschuldung stehe einer langfristig wachsenden Wirtschaft im Weg. "Durch Notenbank-Interventionen und Niedrigzinsumfeld können viele Länder derzeit ihre Schuldenlast noch tragen", erläutert DSGV-Volkswirt Reinhold Rickes. Doch wenn Konjunktur, Teuerung und Zins erst wieder anziehen, wird die notwendige Sanierung und Konsolidierung umso schmerzlicher." 

Auch wenn die Industrieländer sich nach der Pandemie wirtschaftlich schnell wieder von der Krise erholen dürften, halten die Experten ein kräftiges Wachstum und einen schnellen Schuldenabbau für unwahrscheinlich. Grund sei vor allem die alternde Gesellschaft. Ein Mangel an Arbeitskräften und die steigenden Gesundheitskosten sowie Rentenausgaben werde das Wachstum bremsen, befürchten die Sparkassen-Ökonomen, ebenso wie der Fokus auf eine Reduktion der Treibhausgase. Umso wichtiger sei es, bei der Aufnahme neuer Schulden zu beachten, dass diese den Wachstum der Konjunktur fördern.

Noch drastischere Lage: Entwicklungs- und Schwellenländer
Beim Blick auf die Schwellen- und Entwicklungsländer haben die Experten noch größere Bedenken. "Gerade in den ärmsten Ländern – zum Beispiel Kenia, Pakistan, Ecuador und Äthiopien – mussten schon vor der Pandemie mehr als ein Fünftel der Exporterlöse für den Schuldendienst des Staates aufgewendet werden", berichtet Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. Die Coronakrise hat es diesen Ländern nun zusätzlich erschwert, Schulden abzubauen, da die Exporteinnahmen vielerorts eingebrochen sind. "Es ist begrüßenswert, dass weltweit über Schuldenerleichterungen für diese Länder gesprochen wird", sagt Traud. (fp)