Heute sind alle Augen auf Brüssel gerichtet, weil Italien der EU-Kommission seinen überarbeiteten Haushaltsentwurf vorlegt. Die Spannung ist groß, schließlich "hat Italien ein enormes Erpressungspotenzial und ist offensichtlich auch bereit, die EU unter Druck zu setzen ", sagte Franz Schellhorn, Direktor des Thinktanks Agenda Austria beim Investment-Talk des Vermögensverwalters Spängler IQAM. "Ganz nach dem Motto: Zahlt, oder wir gehen. " Der Experte geht davon aus, dass Italien im Streit mit der EU-Kommission hart bleibt. Die Konsequenzen wären schlimmstenfalls fatal – für ganz Europa.

Italien ist mit mehr als 2,3 Billionen Euro Verbindlichkeiten der größte Schuldner in der Euro-Zone. Niemand weiß, was im Falle einer Insolvenz passieren würde. Würde die italienische Regierung sich für ein Hilfsprogramm von Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission entscheiden – also für ein Troika-Programm nach griechischem Vorbild? Oder würden die Italiener lieber gleich den Austritt aus der Eurozone verhandeln? Einig waren sich die Experten beim Spängler-Investment-Talk: Sollten die US-Ratingagenturen Italien weiter herabstufen, könnte das eine akute Finanzierungskrise in Italien auslösen. Ein Schuldenschnitt wie in Griechenland würde im Falle Italiens einen Schaden von rund 1,2 Billionen Euro bedeuten, betont Thomas Steinberger, CIO von Spängler IQAM Invest: "Das entspricht rund zehn Prozent des BIP der gesamten Eurozone. " 

Gibt es eine Rettung für Italien?
Die Experten sehen mehrere Lösungsansätze für Italien: Die italienische Regierung könnte etwa auf Deflation setzen, also Löhne, Pensionen sowie Staatsausgaben kürzen und gleichzeitig in Forschung investieren. Das dürfte den Standort Italien langfristig stärken. Oder die Eurozone wird zur Transferunion, die EZB gibt Eurobonds aus, und der Norden haftet für die Schulden des Südens. Am besten wäre es wahrscheinlich, "die Kapitalmärkte bringen Italien zur Vernunft ", sagte Schellhorn abschließend. (fp)