Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag (10.9.) in Berlin um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Der Einlagensatz liegt damit nun bei 2,5 Prozent. Es ist die zweite Erhöhung, seit Ende Februar der Iran-Krieg begonnen hat. Fast alle von "Bloomberg" im Vorfeld befragten Ökonomen hatten diesen Schritt erwartet. Eine Zinssitzung im Jahr findet außerhalb des Frankfurter Sitzes der Notenbank statt, dabei ist jedes Mal ein anderes Land des Euroraums an der Reihe, nun war es Deutschland mit seiner Hauptstadt. 

Die Währungshüter reagieren mit dem Zinsschritt auf Anzeichen, dass die Inflation deutlich über zwei Prozent bleiben dürfte. Die EZB bekräftigte indes, dass sie sich nicht im Voraus auf weitere Schritte festlege. Stattdessen wolle sie auf Grundlage der eingehenden Daten von Sitzung zu Sitzung entscheiden.

"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", hieß es in der Mitteilung der Notenbank. "Der Ausblick ist nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet, wobei die Risiken für die Inflation aufwärtsgerichtet und für das Wirtschaftswachstum abwärtsgerichtet sind."

Neue Projektionen zu Inflation und Wachstum
Grundlage für die Entscheidung der EZB waren neue Projektionen, denen zufolge die Inflation in diesem Jahr durchschnittlich drei Prozent betragen dürfte, bevor sie sich 2027 auf 2,5 Prozent und 2028 auf 2,1 Prozent abschwächen sollte. Nachdem das Wirtschaftswachstum im Euroraum im zweiten Quartal kräftig gestiegen ist, wurde die Prognose für das Gesamtjahr nun auf 0,9 Prozent angehoben.

Brent-Öl hat zuletzt die Preismarke von 105 US-Dollar je Barrel überschritten, und die Kosten für europäisches Erdgas sind inzwischen auf einem Niveau, das zuletzt im Winter nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verzeichnet wurde. Die Verbraucherpreise im Euroraum lagen im August 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau.

"In Bezug auf den Energieschock illustrieren die von den Fachleuten zusammengestellten aktualisierten Szenarien das breite Spektrum von Resultaten für die mögliche Entwicklung von Wachstum und Inflation unter verschiedenen Annahmen zu Intensität und Dauer des Schocks sowie zu dessen indirekten Effekten und Zweitrundeneffekten", erklärte die EZB.

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