Software-Schock: Auch ein Thema an den Anleihenmärkten
Die Korrektur bei Software-Aktien greift auf die Unternehmensanleihen über. Nuveen-Strategin Laura Cooper erwartet mehr Differenzierung zwischen Gewinnern und Verlierern.
Standen bei künstlicher Intelligenz (KI) lange die Gewinner im Zentrum, so rücken nun die potenziellen Verlierer in den Fokus, sagt Laura Cooper, globale Investment-Strategin beim Vermögensverwalter Nuveen. Dieser Trend greife inzwischen über den Aktienmarkt hinaus und zunehmend auf Märkte für Firmenanleihen und Unternehmenskredite über.
Ausverkauf schießt oft übers Ziel hinaus
Im Zentrum der jüngsten Neubewertung stehe der Software-Sektor. Bestehende Geschäftsmodelle gerieten durch die Einsatzmöglichkeiten von KI unter Druck, zugleich zeichne sich ein struktureller Übergang vom klassischen Abonnementmodell (Software as a Service, SaaS) hin zu nutzungsbasierten Preismodellen ab. Die Bewertungsmultiplikatoren auf künftige Umsätze seien bei zahlreichen Software-Aktien von etwa dem Zehnfachen auf rund das Vier- bis Sechsfache gefallen. "Eine Neubewertung erscheint zwar nachvollziehbar, der Ausverkauf ist jedoch vielfach undifferenziert verlaufen", so Cooper.
Während die Aktienmärkte zuerst reagierten, ergreife die Anpassung nun auch andere Anlageklassen – und da vor allem die Anleihen und Kreditinstrumente. "In Teilen des breit syndizierten Kreditmarkts haben sich die Risikoaufschläge bereits um rund 100 bis 150 Basispunkte ausgeweitet, insbesondere bei Emittenten mit hoher Software-Abhängigkeit und aggressiveren Kapitalstrukturen", erklärt die Expertin. Da Private Credit in Form von direkten Unternehmenskrediten zunehmend zur Refinanzierungsquelle für schwächere Kapitalstrukturen geworden sei, seien innerhalb der Anlageklasse neue Risikobereiche entstanden.
Schwächere Schuldner vor Problemen
Cooper führt weiter aus: "Schwächere Schuldner am unteren Ende des Kreditmarkts könnten bei restriktiverer Kreditvergabe unter Druck geraten, während qualitativ höhere Segmente vergleichsweise stabil bleiben dürften." Offen bleibe, ob private Kreditgeber ihr Engagement im Software-Bereich künftig reduzieren oder weiterhin Kapital – dann jedoch zu höheren Risikoaufschlägen – bereitstellen würden. Insgesamt dürfte die Streuung sowohl zwischen einzelnen Kreditnehmern als auch zwischen verschiedenen Asset Managern zunehmen.
Für vergleichsweise robust hält sie Infrastruktur- und Cybersecurity-Segmente, gestützt durch wachsende Datenmengen sowie steigende Sicherheitsanforderungen. Am stärksten exponiert bleibe hingegen die Anwendungsebene, also die direkte Nutzerschnittstelle, wo Disintermediationsrisiken am größten seien und der Übergang weg vom klassischen SaaS-Modell am deutlichsten sichtbar werde.
Für Investoren bedeutet das ihrer Meinung nach, dass ein passives Engagement im Software-Sektor weniger geeignet ist. Sowohl in Aktien als auch im Bereich der Anleihen gewinne die gezielte Auswahl an Bedeutung. Die KI-These bestehe weiter, entwickle sich jedoch: Der jüngste Ausverkauf könne als Neubewertung innerhalb eines strukturellen KI-Zyklus verstanden werden – mit mehr Gewinnern, aber auch mehr Verlierern. Entscheidend werde daher zunehmend die Frage, welche Geschäftsmodelle sich durchsetzen – und welche verdrängt werden könnten. (jh)















