Die Anlagestrategen der Société Générale erwarten ein "Goldlöckchen-Szenario" für Risikoanlagen wie Aktien. Darum hat die französische Großbank das Aktien-Exposure in ihrer weltweiten Asset-Allokation von 50 auf 55 Prozent erhöht, wie Alain Bokobza, Head of Global Asset Allocation, jüngst vor Journalisten in Frankfurt erläuterte. 

Ein wichtiger Grund sei die "abwärtsgerichtete Asymmetrie der Fed-Politik in einem nicht-rezessiven Umfeld", also die stärkere Neigung zu geldpolitischen Lockerungen, auch ohne dass ein rezessives Umfeld besteht. Für das laufende Jahr erwartet Michel Martinez, Chefvolkswirt Europa bei der Société Générale, zwei Zinssenkungen der US-Notenbank. 

Für die Eurozone prognostiziert Martinez eine "lang andauernde zyklische Erholung" mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent in diesem und dem kommenden Jahr sowie durchschnittlich 1,1 Prozent von 2028 bis 2030, getragen von festem Konsum, einem sich stabilisierenden Wohnungsmarkt und den deutschen Staatsausgaben, was die Auswirkungen höherer Zölle ausgleiche. Für Deutschland sieht er ein Plus von 1,1 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im kommenden Jahr. 

Aussichtsreiche Peripherie 
Bei europäischen Aktien bevorzugt Société Générale die Peripherie gegenüber den Kernländern. "Die Outperformance von Aktien aus der Peripherie gegenüber solchen aus den Kernstaaten beschleunigt sich", so Bokobza. Er weist insbesondere auf den europäischen Bankensektor hin, der in den vergangenen sechs Jahren den gesamten europäischen Markt deutlich outperformt habe.

Während der Gesamtmarkt in diesem Zeitraum auf ein Plus von rund 50 Prozent gekommen sei, habe sich der Bankensektor knapp verdreifacht. Und seit Ende 2023 sei fast die Hälfte der Sektorperformance den Instituten aus der Peripherie zuzuschreiben. Der größte Anteil entfalle mit über 31 Prozent auf Firmen aus Spanien, fast doppelt so viel wie auf deutsche Banken, die nur knapp 16 Prozent beitrugen.

Aufgrund der Abwärtsneigung der Fed ist man bei der Société Générale auch optimistisch für US-Aktien und Schwellenländer-Aktien, sagte Bokobza. Vom KI-Boom dürften aber gerade auch nicht-amerikanische Unternehmen profitieren. So seien asiatische Firmen stark bei Halbleitern und europäische Hersteller bei weiteren Hardware- und Infrastruktur-Komponenten, was deren Wachstum antreiben dürfte. 

KI – Chancen und Risiken 
Teil der Risk-on-Story von Société Générale ist auch eine positive Haltung zu Industriemetallen. So profitiere insbesondere Kupfer von den KI-Investitionen und habe neue Hochs erklommen, erläuterte Bokobza. Kupferminenunternehmen zeigten eine Outperformance gegenüber stärker diversifizierten Förderern. "Je reiner das Unternehmen als Kupferförderer aufgestellt ist, umso mehr profitiert es", sagte er. 

Zugleich nennt die Bank ein Abflauen des KI-Zyklus als eines der Hauptrisiken für den Kapitalmarkt. "Die Märkte setzen sehr große Hoffnungen auf KI, sowohl was die Länge der Transformation als auch was den Beitrag zum BIP-Wachstum angeht", erklärte Martinez. "Ich sage nicht, dass das unmöglich ist, aber es birgt auch Risiken." 

Argumente für Gold
Bokobza verwies auf strukturelle Verschiebungen bei den Reserven der Zentralbanken, die die Dollar-Dominanz unter Druck setzen. "Seit dem Ende der Covid-Pandemie ist ein Anstieg der Zentralbanken-Nachfrage nach Gold zu beobachten", sagte er. Dabei gehe die stark wachsende Goldnachfrage nicht mit einer entsprechenden Zunahme des Angebots einher. "Die Produktion der Goldminen ist relativ stabil, wobei es zwei Jahre in Folge keine wesentlichen Neuentdeckungen von Goldvorkommen gegeben hat", sagte er. (dv)