20 Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie wird Österreich ab heute, 22. November, in den vierten Lockdown geschickt. Bis auf Infrastruktur, die zu Deckung der wichtigsten Bedürfnisse dient, sind die meisten Einrichtungen und Geschäfte geschlossen.

Vorerst soll das Land bis zum 12. Dezember stillstehen, in Oberösterreich sogar bis mindestens zum 17. Dezember. In Salzburg, wo die Infektionszahlen, so wie in Oberösterreich besonders hoch sind, hat die Landespolitik ebenfalls bereits betont, dass der Lockdown bis vor Weihnachten oder sogar länger andauern könnte, um die Fallzahlen nach unten zu drücken und die Spitäler zu entlasten.

Hohe Kosten
Die wirtschaftsliberale Lobbying-Organisation Agenda Austria hat nun berechnet, wie hoch der Schaden für die Wirtschaft ist. Sollte der Stillstand am 12. Dezember weitgehend aufgehoben werden, soll das die Bürger rund 2,7 Milliarden Euro kosten. Das geht aus einer Aussendung hervor. Bleibt Österreich bis Jahresende geschlossen, summieren sich die Kosten laut der Berechnung auf etwa fünf Milliarden Euro. Das sei jene Summe, die Finanzminister Gernot Blümel als "Puffer" im Budget vorgesehen habe. 

Es könnte aber noch schlimmer kommen. Die Agenda Austria erinnert daran, dass ein kurzer, harter Lockdown bereits vor genau einem Jahr geplant war. Auf diesen zweiten folgte gleich der dritte. Kommt es diesmal ebenfalls zu einer Ausdehnung ins kommende Jahr hinein, dann liegen die Kosten (bei einem angenommenen Lockdown bis Mitte Februar) laut Agenda Austria bei über zehn Milliarden Euro.
 

Agenda Austria-Direktor Franz Schellhorn kritisiert in der Aussendung (wie bereits viele vor ihm in den vergangenen Tagen) das Krisenmanagement der Bundesregierung und einiger Landeshauptleute. "Was sich in den vergangen zehn Tagen auf der politischen Bühne abgespielt hat, ist ohne Beispiel. Mit verheerenden Folgen für die Bürger und die Unternehmen dieses Landes", so Schellhorn.

Die Landeshauptleute aus Oberösterreich und Salzburg lehnten – unterstützt durch ÖVP-Mitglieder der Bundesregierung – trotz rasant steigender Infektionszahlen noch vor wenigen Tagen einen umfassenden Lockdown, der auch Geimpfte betrifft, ab, während der grüne Bundesminister das schon in den Raum gestellt hatte. Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer sorgte für Empörung, als er noch in der zweiten Novemberwoche mutmaßte, dass Virologen die Bevölkerung "einsperren" möchten und man dann wohl zu Hause an Depressionen sterben würde. Zeitgleich gab es in dem Bundesland bereits Hilferufe von Intensivmedizinern, die vor einer Überlastung warnten. Unter anderem häufen sich derzeit die Berichte, dass aufgrund der Situation bereits wichtige Operationen (Onkologie, Kardiologie, etc.) verschoben werden.

Warnungen bereits im Sommer
Virologen hatten bereits im Juni davor gewarnt, dass es ohne eine frühzeitige Verschärfung der Maßnahmen gegen die Pandemie zu dem nunmehrigen Lockdown beziehungsweise der Überlastung der Spitäler kommen werde. Härtere Maßnahmen wurden nach gängiger Einschätzung nicht zuletzt wegen der Landtagswahlen in Oberösterreich, die im September stattfanden, vermieden. In Oberösterreich ist die Zahl der Corona-Maßnahmen-Skeptiker besonders hoch.

Der aktuelle Lockdown wird für Ungeimpfte weiter gehen. Ab dem Februar 2022 soll eine Impfpflicht kommen. (eml)