"Schwerste Instabilität seit 1958": S&P senkt Frankreichs Rating
Nach der überraschenden Herabstufung durch S&P geraten französische Staatsanleihen unter Druck. Experten warnen vor steigenden Finanzierungskosten, Fondsverkäufen und wachsender politischer Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl 2027.
Die Kurse französischer Anleihen haben nach der Herabstufung der Staatsbonität durch die Ratingagentur S&P nachgegeben. Der Schritt, der am Freitagabend (17.10.) bekannt wurde, kam überraschend und unterstreicht die angespannten Finanzen Frankreichs sowie das politische Risiko vor den Präsidentschaftswahlen 2027.
"Unsicherheit bleibt hoch"
"Die Unsicherheit über die öffentlichen Finanzen bleibt vor den Präsidentschaftswahlen 2027 hoch", hieß es im Bericht von S&P. Frankreich erlebe derzeit "die schwerste politische Instabilität seit der Gründung der Fünften Republik im Jahr 1958". Zudem belaste "der Mangel an Klarheit über den Plan zur Haushaltskonsolidierung das Wirtschaftswachstum Frankreichs".
Die S&P-Abstufung von "AA-" auf "A+" bedeutet, dass Frankreich nun bei zwei der drei großen Ratingagenturen sein doppeltes A-Rating verloren hat – innerhalb von nur fünf Wochen.
Fonds könnten zum Verkauf gezwungen sein
Durch die Herabstufung könnte es zu Zwangsverkäufen französischer Anleihen kommen, da bestimmte Fonds strenge Bonitätsvorgaben erfüllen müssen. Bereits im September hatte Fitch Ratings Frankreichs Note gesenkt, während eine Bewertung von Moody's für Freitag (24.10.) erwartet wird.
Die Haushaltspolitik der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU steht damit weiter im Fokus. Premierminister Sebastien Lecornu versucht derzeit, den Haushalt durch eine gespaltene Nationalversammlung zu bringen. Zwar konnte er vergangene Woche ein Misstrauensvotum überstehen, doch nur, indem er die umstrittene Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron aussetzte – ein Schritt, der ursprünglich zur Stabilisierung der Finanzen beitragen sollte.
El-Erian: "Herabstufung erschüttert das Vertrauen"
"Dieser überraschende Schritt dürfte bei den französischen Anleihespreads den Druck erhöhen", erklärte Mohamed El-Erian, ehemaliger Chef der Allianz-Tochter Pimco. "Über die steigenden Finanzierungskosten und den Rückschlag für Frankreichs wirtschaftliche Position hinaus erschüttert die Herabstufung das Vertrauen im Kern einer Region, die dringend tiefgreifender Strukturreformen bedarf, um Produktivität und Wachstum wiederzubeleben", schrieb El-Erian auf X.

Der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen – ein wichtiger Risikoindikator – weitete sich im Laufe des Monats auf fast 90 Basispunkte aus.
Vor den vorgezogenen Wahlen 2024 lag der Spread noch unter 50 Basispunkten. Nach Lecornus politischem Überleben sank er zuletzt wieder auf rund 78 Basispunkte.
Moody's-Überprüfung birgt neues Risiko
Nun richtet sich der Blick auf Moody's, das Frankreich derzeit mit "Aa3" (der niedrigsten Doppel-A-Stufe) bei stabilem Ausblick bewertet. Sollte es am Freitag zu einer weiteren Herabstufung kommen, würde das Vertrauen der Märkte noch stärker erschüttert – und die Finanzierungskosten könnten weiter steigen. (mb/Bloomberg)















