Von Anfang 2025 bis vor Kurzem haben Schwellenländeraktien besonders hohe Erträge erzielt. Getrieben wurden diese durch wenige große Unternehmen in Taiwan und Südkorea, die im Zentrum der KI-Lieferkette stehen. Sammy Suzuki, Leiter Emerging Markets Equities bei Alliance Bernstein, rät aber dazu, sich gerade in den Emerging Markets breiter aufzustellen und Chancen auch außerhalb des KI-Booms zu nutzen.

Ausmaß an Konzentration erinnert an die US-Börsen
Tatsächlich machen nur drei Titel – TSMC, Samsung und SK Hynix – fast ein Drittel des MSCI Emerging Markets Index aus. Allein im zweiten Quartal 2026 trugen diese drei Titel mehr als 60 Prozent zum Indexertrag bei. "Dieses Ausmaß an Konzentration dürfte Anlegern bekannt vorkommen, die sich in den vergangenen Jahren auf den US-Aktienmärkten zurechtfinden mussten", sagt Suzuki. "Die gesunde Geschäftsdynamik der Firmen beseitigt nicht die Anfälligkeit, die durch eine hohe Marktkonzentration entsteht – besonders bei passiven Anlagen." Zwar hätten KI-getriebene Aktien durchaus ihre Berechtigung in einem Depot. Allerdings sollten Anleger vermeiden, ihr Portfolio von den größten Namen dominieren zu lassen. "Das Klumpenrisiko ist offensichtlich", sagt der EM-Experte.

Stattdessen sollten Anleger nach weniger bekannten KI-Wegbereitern und -Nutznießern Ausschau halten. "Asiens Technologiesektor bietet eine besonders vielfältige Palette solcher Chancen, die von Unternehmen aus den Bereichen Speicher und Halbleiter bis hin zu Leiterplatten, elektronischen Bauteilen und Kühlsystemen reichen", so Suzuki. Jedes dieser Segmente habe seine eigene Angebots- und Nachfragedynamik, Wettbewerbsstruktur und seinen eigenen Branchenzyklus. 

Die Schwellenländer haben mehr zu bieten als KI
Zudem würden die Anlagechancen in den Schwellenländern weit über den Bereich der KI hinausreichen. Genau diese Vielfalt könne dazu beitragen, die Volatilität des Gesamtportfolios zu verringern und die Wachstumsaussichten über längere Zeithorizonte hinweg zu verbessern – besonders wenn der KI-Trend ins Stocken gerät. Der EM-Experte sagt: "Die Chip- und Speicherriesen mögen heute die Erträge antreiben, doch eine umfassendere Betrachtung der Schwellenländer könnte dabei helfen, die Gewinner von morgen zu identifizieren." (jh)