Stein des Anstoßes ist das neue Transmission Protection Instrument (TPI) der EZB. "Ein absolutes Unding", meint Holger Schmitz, Vorstand des Vermögensverwalters Schmitz & Partner mit Sitz im Tessin. Mit dem Vehikel will die Notenbank bei Bedarf die Renditeunterschiede zwischen Staatsanleihen unterschiedlicher Euroländer verringern. Für Schmitz ist das TPI vor allem ein Zeichen der Angst der Währungshüter vor einem Zusammenbruch des Euro. Ein Crash werde dadurch aber lediglich aufgeschoben, kommen werde er dennoch – und dann mit einem größeren Knall als nötig gewesen wäre, so Schmitz.

Die hohen Inflationsraten in vielen europäischen Ländern hält der Vermögensverwalter für politisch gewollt, um die Staatsverschuldung real zu senken. Bei den gestiegenen Teuerungsraten spielten Angebotsengpässe infolge der Corona-Pandemie und hohe Energiepreise aufgrund des Ukraine-Kriegs "eine gewisse Rolle", meint Schmitz. "Sie sind allerdings keineswegs die Ursache. Das zeigt ein Blick in die Schweiz." Das Land sei ebenfalls den globalen Unsicherheiten ausgesetzt, habe aber eine wesentlich geringere Inflationsrate als die Eurozone.

Geldschwemme heizt Inflation an
"Die beispiellose Geldschwemme der EZB in den vergangenen Jahren ist die Hauptursache für die aktuell hohen Inflationsraten", so Schmitz. Die Geldmenge sei deutlich stärker gestiegen als das Wirtschaftswachstum – das führe eben zu Inflation. Diese Entwicklung lasse sich auch in den USA beobachten, wo die Währungshüter infolge der Finanzkrise ebenfalls die Notenpresse angeworfen haben, erläutert der Vermögensverwalter.

Verglichen mit der Fed habe die EZB den Kampf gegen die Inflation aber spät aufgenommen. "Das war Kalkül: Die Staatsverschuldung ist in der Eurozone relativ hoch", so Schmitz. "Machen wir uns keine Illusionen: Nominal werden die Schulden nicht zurückgezahlt werden können." Aber sie könnten real kleiner werden, genau das geschehe bei hohen Inflationsraten. "Das bedeutet letztendlich, dass die Politik froh darüber ist", meint Schmitz.

Die geldpolitischen Maßnahmen beeinträchtigten auch die Währung, weswegen der Euro zuletzt gegen die meisten anderen bedeutenden Währungen weltweit deutlich abgewertet habe. Seine Prognose: Der Euro dürfte in Zukunft noch schwächer werden. (fp)