Eine Wiedereinführung von Negativzinsen würde nach Einschätzung von SNB-Präsident Martin Schlegel auf erhebliche Hürden stoßen. Die Schweizerische Nationalbank sei jedoch bereit, diesen Schritt zu gehen, falls er notwendig werden sollte.

"Bei den Zinsen sind wir bei null, wir haben schon gesagt, dass wir bereit sind, in den negativen Bereich zu gehen, aber die Hürde ist einfach größer", sagte Schlegel dem Schweizer öffentlich-rechtlichen Sender "SRF". Er beschrieb die monetären Bedingungen derzeit als "angemessen".

Zinsen seit Juni bei null
Die Zentralbank hatte die Zinsen im Juni auf null gesenkt und seither unverändert belassen. Diese geldpolitische Zurückhaltung hat die erneute Einführung negativer Zinsen von der Agenda der meisten Ökonomen verdrängt. Eine Mehrheit erwartet, dass die SNB die Zinsen bis Anfang 2028 unverändert lässt und sie danach anhebt, wie eine "Bloomberg"-Umfrage zeigt.

Preisstabilität im Fokus der Notenbank
Als Notenbanker gelte seine größte Sorge der Preisstabilität, sagte Schlegel. Die SNB werde alles Notwendige tun, um dieses Mandat zu erfüllen. Er fügte hinzu, dass das aktuelle Niveau von 0,1 Prozent am unteren Rand der SNB-Definition von Preisstabilität zwischen null und zwei Prozent liege.

Ein Grund für den schwachen Verbraucherpreisdruck ist der starke Franken, der in der vergangenen Woche gegenüber Euro und US-Dollar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen ist. Auslöser war ein globaler Rückgang der US-Währung. US-Präsident Donald Trump hatte den Ausverkauf mit Bemerkungen angestoßen, die darauf hindeuteten, dass er mit einem schwächeren Dollar zufrieden sei, da dies amerikanischen Unternehmen zugutekomme.

Herausforderung für Exporteure
"Die Aufwertung des Franken ist natürlich für die Exportindustrie schwierig, sie ist eine große Herausforderung für viele Firmen", sagte Schlegel. Zugleich betonte er, dass er viele Schweizer Unternehmen kenne, die sich auf den globalen Märkten behaupteten.

In der Vergangenheit hätten sich Investoren bei geopolitischen Krisen häufig dem Franken als sicherem Hafen zugewandt. In einem Interview mit "Bloomberg TV" im vergangenen Monat bezeichnete Schlegel die Geopolitik als das größte Risiko für die Schweizer Währung.

Negative Inflation möglich, aber kein Automatismus
In dem am Montag (2.2.) ausgestrahlten "SRF"-Interview sagte Schlegel, dass negative Inflationsraten in einzelnen Monaten möglich seien. Die SNB müsse darauf jedoch nicht reagieren, da sie auf mittelfristige Preisstabilität abziele.

Zur Schweizer Wirtschaft sagte Schlegel, das Wachstum sei "moderat" und "unterdurchschnittlich". (mb/Bloomberg)