Ist Bargeld angesichts der digitalen Zahlmöglichkeiten mittlerweile überflüssig? Über diese Frage entzünden sich hitzige Debatten. In Österreich etwa ist diese Woche der Versuch gescheitert, das Recht auf Bargeld in die Verfassung zu schreiben. Derweil mehren sich die Stimmen aus der Finanzwirtschaft, die vor einer ausdrücklichen Abschaffung von Bargeld warnen.

So hat die Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) nun ihre Haltung klar gemacht: Dass mittlerweile ein großer Teil der Alltagsgeschäfte per digitaler Bezahlung abgewickelt wird, ist kein Argument gegen die Notwendigkeit von Bargeld, heißt es in einem Positionspapier. Darin verweist die SBVg darauf, dass dem Bargeld abseits der Zahlungsfunktion ein hoher Stellenwert als Wertaufbewahrungsmittel in Krisensituationen und im Tiefzinsumfeld zukommt.

Nur Bares ist Wahres
Zwar unterliegt Cash der Inflation und mitunter fallen Aufbewahrungskosten an. Allerdings sei Bares sicheres Nationalbankgeld, "welches – im Unterschied zu Buchgeld – grundsätzlich keinem Ausfallrisiko bei den Banken unterliegt", schreiben die Experten. Diese Bedeutung für die Bargeldnachfrage habe man im Herbst 2008 beobachten können, als im Zuge der Finanzkrise und der damit einhergehenden allgemeinen Verunsicherung die Nachfrage nach großen Banknoten in kurzer Zeit deutlich anstieg, heißt es in dem Papier.

Darüber hinaus sei der Spielraum für Negativzinsen beschränkt, solange Bargeld existiert und als Wertaufbewahrungsmittel eingesetzt werden kann. "Je negativer der Zins, umso größer der Anreiz, Erspartes nicht auf dem Bankkonto zu belassen, sondern in Bargeld zu konvertieren", schreiben die Experten.

Natürlicher Schutz
Sie hinterfragen dabei die Position der Cash-Gegner: "Bei Bargeld greift die Negativzinspolitik einer Zentralbank somit nicht beliebig. Dies mag einzelnen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) oder bekannten Ökonomen wie Ken Rogoff ein Dorn im Auge sein. Deren Kritik unterstreicht allerdings die wichtige Rolle, welche Bargeld als natürlicher Schutz vor einer potenziellen Vermögenserosion innehat."

Das Argument von Abschaffungs-Befürwortern, Bargeld sei wegen der Anonymität problematisch, lässt die Bankiervereinigung nicht gelten. Größere Barzahlungen unterliegen ja dem Geldwäschegesetz und verlangen die Identifikation der Gegenpartei. Die Institute müssen stets ermitteln, woher das Geld stammt. muss ermittelt werden.
 
Persönliche Freiheit
Es handle sich letztendlich um eine Frage der persönlichen Freiheit. Insbesondere da man als Konsument im digitalen Zahlungsverkehr unweigerlich Spuren hinterlässt und individuelle Konsumgewohnheiten nachverfolgt und gespeichert werden. "Es gibt Menschen, denen der Schutz der eigenen Privatsphäre höchste Priorität zukommt, andere gewichten die einfache
und praktische Handhabung digitaler Zahlungsmittel höher", argumentieren die Schweizer. Diese persönliche Einstellung sei Privatsache.

Allerdings sprechen sich die Experten gegen eine Pflicht zur Bargeldannahme aus. Wegen der höheren Kosten von Bargeld würde dadurch zum Beispiel der stationäre Detailhandel gegenüber dem Onlinehandel benachteiligt, welcher ja per Definition bargeldlos ist. Das Fazit lautet: "Digitale Bezahlformen werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Bargeld gehört deshalb aber noch lange nicht abgeschafft".

Die SBVg erinnert, dass Schweden als Vorreiter beim bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa kürzlich die "Notbremse" punkto Bargeldabschaffung gezogen habe. Auch die Deutsche Bank hat unlängst auf die Gefahren verwiesen. (eml)