Wenn von einem Vorzeigeland in Sachen bargeldlosem Zahlungsverkehr die Rede ist, dann kann es sich eigentlich nur um Schweden handeln. Im Vorjahr wurden in den ersten sechs Monaten umgerechnet lediglich rund 3,7 Milliarden Euro an schwedischen Geldautomaten bezogen – ein Rückgang von zehn Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Die in Umlauf befindlichen Barmittel entsprechen nur rund einem Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung, gegenüber etwa zehn Prozent in der Euro-Zone.

Doch so ganz ohne Bargeld wollen auch die Skandinavier nicht auskommen, wie ihre jüngsten "Cash-Initiativen" zeigen. Erst Mitte Mai sorgte die Regierungsorganisation Swedish Civil Contingencies Agency mit einem Schreiben an jeden Haushalt für einiges Aufsehen, in dem die Bürger aufgefordert wurden "Bargeld in kleinen Stückelungen" beiseite zu legen, falls es zu Notsituationen kommt.

Garantie für Minimalniveau von Bargeld-Dienstleistungen
Und nun macht sich auch das schwedische Parlament für Bargeld stark. Es reagierte auf einen Zeitungsbericht, wonach in der mittelschwedischen Stadt Sundsvall für die rund 50.000 Einwohner nur noch einige wenige Bankschalter für Bargeschäfte zur Verfügung stehen. Daraufhin befand das Parlament, dass zumindest den Großbanken mit breiter landesweiter Präsenz durchaus zugemutet werden könne, ein gewisses Minimalniveau von Bargeld-Dienstleistungen zu garantieren, schreibt die NZZ. In der Begründung für das Gesetz heißt es, im Jahr 2017 habe es für 64.000 Personen keinen Geldautomaten im Umkreis von 20 Kilometern gegeben. Solche Verhältnisse findet man vor allem in den dünn besiedelten Gebieten der nördlichen Hälfte Schwedens vor, wo prozentuell auch die meisten "digital Isolierten" wohnen, also jene, die noch Bargeld verwenden.

Hinter den schwedischen Initiativen steckt die Sorge, dass es im Fall einer schweren Krise – beispielsweise wegen Terrorismus oder Cyberangriffen – zu einem Zusammenbruch der Stromversorgung oder des Mobilfunknetzes kommen könnte. Denn dann wäre auch Schluss mit jeglichem Zahlungsverkehr. (mb)