Chinas Wachstum hat sich im April auf breiter Front verlangsamt. Die Investitionen gingen erneut zurück. Das wirft Fragen zur Zurückhaltung der Regierung auf, zusätzliche Konjunkturhilfen aufzulegen, während eine globale Energiekrise Unternehmen und Verbraucher weltweit belastet.

Offizielle Daten vom Montag (18.5.) zeichneten das Bild einer Wirtschaft, in der boomende Exporte die schwächere Binnennachfrage nicht mehr ausgleichen. Analysten von Banken wie Nomura forderten deshalb mutigere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur.

Ökonomen von schwachen Daten überrascht
Die Anlageinvestitionen schrumpften in den ersten vier Monaten 2026 überraschend um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Industrieproduktion stieg im April um 4,1 Prozent – der schwächste Wert seit fast drei Jahren. Die Einzelhandelsumsätze legten lediglich um 0,2 Prozent zu und verfehlten damit die Prognosen. Es war der schlechteste Wert seit dem Rückgang im Dezember 2022, als China nach der Corona-Pandemie wieder öffnete.

Kein einziger von "Bloomberg" befragter Ökonom hatte so pessimistische Werte für Industrie, Einzelhandel und Investitionen vorhergesagt. Die enttäuschende Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Monat verdeutlicht die anhaltenden binnenwirtschaftlichen Schwächen – trotz eines globalen Investitionsbooms rund um künstliche Intelligenz, der den Handel zuletzt beflügelt hatte. 

"Peking hat keinen Spielraum für Selbstzufriedenheit"
Die Behörden "müssten möglicherweise die politische Unterstützung zur Stabilisierung des Wachstums verstärken", schrieben Nomura-Ökonomen um Ting Lu. "Peking hat keinen Spielraum für Selbstzufriedenheit."

Die Breite der Abschwächung im April rückt die Aussicht auf aggressivere Stimulusmaßnahmen wieder auf die Tagesordnung. Zuvor hatte China mit seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Iran-Kriegs herausgestochen. Die Regierung fuhr im März die Fiskalausgaben zurück. Die Zentralbank vermied zugleich jeden Hinweis auf weitere Lockerungen – bei reichlicher Marktliquidität und schwacher Kreditnachfrage.

Regierung dürfte vorerst abwarten
Die Behörden dürften dennoch geduldig bleiben und nicht wegen eines einzelnen Monatsdatensatzes überstürzt reagieren. Das Politbüro der Kommunistischen Partei kommt im Juli zusammen, um Wachstum und Wirtschaftspolitik zu überprüfen. Das gilt als nächstes mögliches Zeitfenster für Anpassungen beim Stimulus.

"Die Haltung scheint weiterhin darin zu bestehen, vorsichtig zu sein", sagte Jing Liu, Chefökonomin für Greater China bei HSBC, in einem Interview mit "Bloomberg TV". "Unser Basisszenario sieht vorerst keine zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen für die Wirtschaft vor." (mb/Bloomberg)