US-Aktien könnten weiter nachgeben, bevor eine nachhaltige Aufwärtsbewegung möglich ist. Davor warnt das Handelsteam von Goldman Sachs und verweist auf fragile Marktstimmung und volatile Kapitalflüsse, die den S&P 500 nach dem gescheiterten Versuch, die Marke von 7.000 Punkten zu überwinden, anfällig machten.

"Der einzige Weg nach oben führt von hier aus nach unten", schrieben die Goldman-Experten um Gail Hafif und Brian Garrett in einer Mitteilung an Kunden. Ein insgesamt unterstützendes makroökonomisches Umfeld habe bislang wenig dazu beigetragen, dass Aktien geopolitische Spannungen und starke Schwankungen bei Rohstoffen verkraften. Kurzfristig zeichne sich daher ein "schmerzhafter" Weg ab.

Ölpreissprung verunsichert Märkte
Der S&P 500 schloss am Montag (2.3.) kaum verändert und erholte sich von deutlichen frühen Verlusten. Händler diskutierten die möglichen Marktfolgen des eskalierenden Konflikts im Nahen Osten, der einen kräftigen Anstieg der Ölpreise ausgelöst hatte.

Rohöl verteuerte sich deutlich, nachdem der Verkehr durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen war und Störungen in einer großen Raffinerie in Saudi-Arabien die Energiemärkte erschütterten. Brent-Futures beendeten den Handel rund 6,7 Prozent höher bei knapp 78 US-Dollar je Barrel – der größte Tagesanstieg seit Juni.

Historische Daten sprechen gegen Panik
Trotz der Verunsicherung durch den Ölpreissprung deuten historische Daten laut Goldman Sachs auf begrenzte Folgeschäden hin. In 22 Fällen seit 2000, in denen der Preis für West Texas Intermediate (WTI) an einem Tag um mindestens zehn Prozent gestiegen war, fielen die Renditen des S&P 500 nach dem unmittelbaren Ausverkauf häufig positiv aus. Am Folgetag sank der Index im Durchschnitt um 0,24 Prozent. Über einen Monat hinweg lag die durchschnittliche Rendite jedoch bei 1,23 Prozent, mit einem Median von 3,57 Prozent, so die Goldman-Daten. Auch bei Brent-Preissprüngen zeigte sich ein ähnliches Muster.

Goldman-Ökonom Dom Wilson sieht höhere Ölpreise kurzfristig als Belastungsfaktor für Aktien und Kreditmärkte. Nur eine schwere und anhaltende Unterbrechung der Versorgung würde das globale Wachstum spürbar beeinträchtigen, argumentiert er.

Auch die Saisonalität im März erscheint laut den Goldman-Tradern gemischt. Seit 1928 ist der Monat der viertschwächste für den S&P 500, wobei die erste Monatshälfte historisch besonders volatil verläuft. Der Zeitraum vom 1. bis 14. März brachte im Durchschnitt lediglich einen Zuwachs von 30 Basispunkten, in den zwei Wochen ab dem 15. März waren es im Schnitt 80 Basispunkte.

Weitere Punkte aus der Mitteilung des Goldman-Handelsteams:

  • Privatanleger zeigen 2026 weniger Kauflaune als 2025, nachdem sie zuvor konsequent Kursrückgänge genutzt hatten. Anhaltende Volatilität in den ersten beiden Monaten des Jahres dämpfte die Euphorie.
  • Aktienrückkäufe könnten zuletzt unterstützend gewirkt haben. Die Rückkaufaktivität lag vergangene Woche bei etwa dem 1,7-Fachen des Tagesdurchschnitts 2025 und beim 1,5-Fachen des Niveaus von 2024. Dieser Rückenwind dürfte jedoch nachlassen: Das nächste "Blackout-Fenster", in dem Unternehmen ihre Rückkäufe pausieren, beginnt voraussichtlich um den 16. März und dauert bis Ende April.
  • Unternehmen kündigten seit Jahresbeginn Rückkäufe im Umfang von 317 Milliarden US-Dollar an – der zweitstärkste Start seit Beginn der Aufzeichnungen nach 2023. Goldman warnt jedoch, dass Rückkäufe allein kaum eine Rally auslösen dürften – ihr Wegfall könnte Schwächephasen verstärken.
  • Steuerrückzahlungen könnten den Konsum und die Stimmung im Frühjahr stützen. Etwa ein Viertel der jährlichen Rückerstattungen wird im März ausgezahlt, rund drei Viertel bis Ende April.
  • Systematische Fonds haben sich weitgehend aus US-Aktien zurückgezogen. Rohstoffhandelsberater (CTAs) treten laut Modellen der Bank jedoch schrittweise als Käufer auf – eine Dynamik, die sich je nach Markttrend rasch ändern könnte. (mb/Bloomberg)