Wird die klassische Büroimmobilie zum kostspieligen Auslaufmodell, weil die meisten von uns zukünftig ganz oder zumindest verstärkt von zu Hause arbeiten? "Das können wir verneinen", sagt Andreas Trumpp, Head of Research & Strategy Europe bei Savills Investment Management. "Ein Ende des klassischen Büros ist nach unserer Einschätzung nicht in Sicht. Im Gegenteil: Wir bewerten Büroimmobilien vor allem in zentralen Lagen weiter als attraktive Investitionsmöglichkeit."

Die direkte Zusammenarbeit im Büro begünstigtenicht nur den Wissensaustausch, Lernprozesse und Kompetenzentwicklung, sondern förderte auch Kreativität, Vertrauen und letztendlich Produktivität., ist der Immobilienfachmann gewiss. "Vor allem für jüngere und neu ins Unternehmen eingetretene Mitarbeitende ist dies von elementarer Bedeutung. Darüber hinaus ist das Büro viel mehr als nur ein Ort des Arbeitens. Es ist ein Ort der sozialen Interaktion."

Home-Office hat nicht nur Vorteile
Dennoch hat die Covid-19-Pandemie eindrücklich gezeigt, dass das Arbeiten vom Home-Office aus in deutlich mehr Branchen und Unternehmen umsetzbar ist als bisher angenommen und die Angestellten die unbürokratische Handhabung des flexiblen Arbeitens schätzen gelernt haben. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das konzentrierte Arbeiten in einer ungestörten Umgebung sowie der Wegfall des täglichen Pendelns sind gewichtige Argumente für das Arbeiten von zu Hause.

Allerdings zeigen sich auch deutlich die Einschränkungen des Home-Office für die Mitarbeiter. Dazu können insbesondere ungeeignete Arbeitsplätze sowie der Mangel an persönlichem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen gehören. Einsamkeit, Isolation und verschwimmende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben gehören zu den konkreten Herausforderungen, die mit längerfristigem Arbeiten von zu Hause aus verbunden sind. Für die Unternehmen stehen vor allem Sicherheitsbedenken im Vordergrund, wenn private Internet- und Telefonanschlüsse sowie Endgeräte zum Arbeiten verwendet werden, wie auch eingeschränkte Möglichkeiten der direkten Arbeitskontrolle.

Weitere Reduzierung der Bürofläche je Mitarbeiter wohl gestoppt 
Nach der Einschätzung von Savills IM bleibt der Trend hin zu größerer Arbeitsplatzflexibilität bestehen. Trumpp dazu: "Dies wird jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf die anhaltende Beliebtheit von Büros in zentralen Geschäftslagen haben. Für komplexere Tätigkeiten, die die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Fachkenntnissen erfordern, ist physische Nähe eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Diese ist in Büros am besten gewährleistet. In diesem Zusammenhang werden die Unternehmen ihre Bürokonzepte anpassen müssen, um auf die neuen Ansprüche einzugehen. Es mag nicht unbedingt dauerhaft bei den aktuellen Abstandsregeln bleiben, dennoch dürfte die weitere Reduzierung der Bürofläche je Mitarbeiter/in gestoppt sein. Wir rechnen mit einem erhöhten Bedarf an separaten Erholungs- und Gemeinschaftsräumen. Auch die Gebäudetechnik, insbesondere berührungslose Technologien und biometrische Verifikationssysteme, werden eine noch größere Rolle spielen und zunehmend Verbreitung in Bürogebäuden finden."

Der Trend zu einer noch größeren Flexibilität für die Mieter könnte sich weiter verstärken. Dies sieht Trumpp als ein neues Schlüsselmerkmal des Immobilienmarktes an und rechnet deshalb künftig mit kürzeren Mietverträgen und früheren Kündigungsoptionen. "Der Trend zu flexibleren Arbeitsstrukturen wird zwar bestehen bleiben, der Bürostandort ist jedoch weiterhin essenziell. Moderne Büroobjekte in zentralen Geschäftslagen mit hoher Effizienz, Nachhaltigkeitszertifikat, guter Verkehrsanbindung und attraktiven Nahversorgungs- und Dienstleistungsangeboten werden kaum an Popularität einbüßen – weder bei Mietern noch bei Investoren." (kb)