Der Ölpreis schwankte in den vergangenen Wochen stark. Im August stieg er in den letzten vier Handelstagen um 27,5 Prozent, zuvor hatte er 18 Prozent nachgegeben. Diese Schwankungen verdeutlichten die Verunsicherung der Marktteilnehmer, sagt Maximilian Uleer, Rohstoffexperte der Bank Sal. Oppenheim. Unwägbarkeiten auf der Angebots- und Nachfrageseite erschwerten die Preisfindung. So bleibe etwa unklar, wie sich die US-Ölproduktion entwickelt. Gleichzeitig sei das Potenzial iranischer Exporte schwer einzuschätzen, und der Kurs der OPEC-Staaten erscheine undurchsichtig. Auf der Nachfrageseite gebe vor allem China Anlass zur Sorge.

Uleer rechnet trotz aller Unwägbarkeiten damit, dass der Ölpreis mittelfristig auf knapp unter 60 US-Dollar je Barrel steigt. Die Neubohrungen in den USA seien im Vergleich zum Vorjahr um knapp 60 Prozent zurückgegangen. Sobald der Ölpreis bei rund 60 Dollar je Barrel liege, dürfte die Produktion wieder ausgeweitet werden – ohne allerdings die Zuwachsraten der vergangenen Jahre zu erreichen. Im Zuge des Iran-Abkommens erwartet der Rohstoffexperte keinen Angebotsschock: "Da sich die Verhandlungen mit dem Iran über viele Jahre erstreckten und immer wieder hinausgezögert wurden, rechnen wir auch bei der schrittweisen Aufhebung der Sanktionen nicht mit raschen Fortschritten." Zudem müsse das Land zunächst in seine Öl-Infrastruktur investieren.

OPEC hält an hohen Förderquoten fest
Die OPEC dürfte ihre Förderquote nach Einschätzung des Experten nicht senken. Die Strategie der OPEC wird maßgeblich durch Saudi-Arabien, den größten Produzenten des Kartells, beeinflusst. "Für das Land besteht vorerst keine Notwendigkeit eines Strategiewechsels, da es sich aufgrund seiner hohen Finanzreserven über Jahre hinweg niedrigere Einnahmen aus dem Ölgeschäft leisten kann", sagt Uleer. Sollten kleinere und strukturell schwächere OPEC-Mitglieder wie Venezuela trotzdem eine Senkung der Produktion durchsetzen, dürfte das den Ölpreis stärken. "Mit einem solchen Vorstoß rechnen wir jedoch derzeit nicht."

Die chinesischen Ölimporte haben trotz der starken Turbulenzen an den Finanzmärkten im Jahresvergleich um 5,6 Prozent zugenommen. "Erstens stieg der Verbrauch, zweitens nutzte die chinesische Regierung die günstigen Preise, um neu geschaffene strategische Öllager zu befüllen", so Uleer. Er rechnet damit, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzt. Die globale Nachfrageentwicklung sollte wiederum positiv auf den Ölpreis wirken. (fp)