Westlichen Banken, die in Russland vertreten sind, steht möglicherweise eine Enteignung bevor. Die französische Société Générale, die die Mehrheit an der russischen Rosbank hält, stellt sich darauf ein, dass ihr die Eigentumsrechte an den Töchtern vor Ort entzogen werden könnten, wie das "Handelsblatt“ berichtet. Die Bank habe aber "mehr als genug Puffer“ für ein solches Extremszenario. Auch andere westliche Geldhäuser mit Russlandgeschäft rechnen mit Maßnahmen gegen ihre nationalen Niederlassungen und spielen derzeit mögliche Szenarien durch, darunter die italienische Großbank Unicredit und die österreichische Raiffeisenbank International.

Gegenmaßnahmen von russischer Seite sind nicht unwahrscheinlich, erklärt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität, gegenüber dem "Handelsblatt“. Der nächste Schritt von russischer Seite sei es, das Finanzsystem unabhängiger zu machen, indem das Land "das eigene Zahlungssystem SPSF sowie das chinesische Pendants Chips“ verstärkt einbindet, sagt Brühl. Danach könnte Russland "den russischen Töchtern europäischer Banken die Betriebserlaubnis entziehen, Anteile einfrieren und den Mutterkonzernen verbieten, Geld ins Ausland abzuziehen“, schreibt das "Handelsblatt“. Die Enteignung russischer Tochterunternehmen sei die "letzte und extremste Maßnahme“, sagt Brühl.

Massive Kursverluste bei Bankaktien
Vergangene Woche hatten westliche Länder harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Sieben russische Banken sind vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen, das Auslandsvermögen der Zentralbank ist eingefroren. Das führte nicht nur zu Einbrüchen auf den russischen Märkten, auch die Börsenkurse westlicher Kreditinstitute sind gefallen. So sind die Aktien der Société Générale und der Unicredit vergangene Woche jeweils um 40 Prozent gesunken. Die österreichische Raiffeisenbank International verlor sogar 55 Prozent an Wert, sie erzielt rund 40 Prozent ihrer Gewinne in Russland und der Ukraine. (fp)