Die harten Wirtschaftssanktionen des Westens könnten dazu führen, dass Russland seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen kann. Reihum stufen deshalb internationale Ratingagenturen Anleihen des Kreml-Staates massiv runter - teilweise bis auf "Ramschniveau".

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, "dass ein russischer Zahlungsausfall nennenswerte Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte hat", sagt Takahide Kiuchi, Ökonom beim japanischen Nomura Research Institute. Die ausstehenden russischen Staatsanleihen in Fremdwährung machen nur 3,1 Prozent der weltweit ausstehenden Staatsanleihen in Fremdwährung aus. Rechnet man weltweit ausstehende Staatsanleihen in lokaler Währung hinzu, beträgt der Anteil der russischen Titel insgesamt lediglich 0,4 Prozent.

Ausländische Anleger mit russischen Schuldtiteln im Depot könnten zwar Verluste erleiden, es sei dennoch unwahrscheinlich, "dass das Ausmaß dieser Verluste eine globale Finanzmarktkrise auslösen wird", sagt Kiuchi. Stattdessen könnte der Angriff Russlands auf die Ukraine sich indirekt auf die Weltwirtschaft auswirken, etwa durch steigende Energiepreise. Das würde die Geldpolitik der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) unter Druck setzen, meint Finanzexperte Kiuchi.

Zahlungsunfähig, obwohl Geld da ist
Europa und die USA hatten harte Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Europäische Union schloss das Land vom internationalen Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift aus, ausländische Währungsreserven sind eingefroren. Die Folge: Russland kann sich keine Devisen mehr beschaffen – obwohl es genügend Geld dafür zur Verfügung hätte. (fp)