Die Umweltschutzorganisation WWF hat gemeinsam mit der Ratingagentur ESG Plus in einer Studie untersucht, wie nachhaltig die zehn größten österreichischen Retailbanken in Bereichen wie Unternehmensführung, Sparen/Anlegen und Kreditvergabe aufgestellt sind. Das Zeugnis fiel schlecht aus. Zwar wurden einzelne Banken in Detailbereichen durchaus für ihr Verhalten gut benotet. Aber bei der Gesamtbeurteilung mussten sich alle Institute in den unteren Bereichen "unterdurchschnittlich" und "durchschnittlich" einreihen. Keine der gefürften Banken wurde als "zeitgemäß", "richtungsweisend" oder "visionär" bewertet. In vielen Teilaspekten wurden die Institute sogar als "intransparent" eingestuft.

Eines der Ergebnisse: Während in der Unternehmensführung Nachhaltigkeit bereits gut verankert ist, hatten die Autoren beim Sparen und Anlegen viel auszusetzen. Bei Sparkonten werde der Nachhaltigkeitsgedanke kaum systematisch angewandt, schreiben sie. Es wurde nur ein Produkt der Hypo NOE als "richtungsweisend" eingestuft.

Anlageprodukte lassen zu wünschen übrig
Außerdem sei der Markt für nachhaltige Anlageprodukte relativ unreif, obwohl diese Produkte in Österreich prinzipiell bereits eine längere Tradition haben: So wurden die Banken für die Berechnung der Effektivität nachhaltiger Anlageprodukte aufgefordert, ihre spezifischen Anlagestrategien offenzulegen. "Der hohe Grad an Intransparenz ist beunruhigend: Sieben Banken können hier keine Informationen angeben", so die Autoren. Einzig bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich sei die Effektivität "richtungsweisend".

Es würden verlässliche Standards für nachhaltige Anlageprodukte im Retailbanking fehlen, kritisieren die Autoren. Den CO2-Fußabdruck ihrer gesamten Anlagevermögen würden zum Beispiel nur Erste Bank und die Steiermärkische Sparkasse berechnen und veröffentlichen.  

Wenige Nachhaltigkeitsregeln für Kreditvergabe
Bei der Kreditvergabe sind die Umweltexperten ebenfalls nicht zufrieden. Bei Unternehmenskrediten fließen ökologische Finanzierungsrisiken zwar ein, aber umweltbezogene Richtlinien bei Privatkrediten seien kaum verbreitet.

Im Hypothekargeschäft verfügen die meisten Banken über keine umweltbezogenen Richtlinien, beziehungsweise herrsche Intransparenz darüber, ob solche vorhanden sind. Lediglich zwei Banken integrieren Nachhaltigkeit über umweltbezogene Richtlinien in ihre Hypothekarprozesse.

Beim Management der gesamten ökologischen Kreditrisiken waren nur drei Banken "zeitgemäß": Die Hypo NOE Landesbank, die Raiffeisen Bank International und die Bank Austria widmen sich der gesamthaften Betrachtung ihrer ökologischen Risiken. (eml)


Service: Die Studie ist auf der Homepage des WWF zu finden: https://www.wwf.at/de/view/files/download/showDownload/?tool=12&feld=download&sprach_connect=3421