Die österreichischen Fondsgesellschaften haben per Ende 2020 ein Vermögen von 191,9 Milliarden Euro verwaltet, das ist ein Plus von 3,8 Prozent zum Jahr davor (184,9 Milliarden). Dass die Gesellschaften ausgerechnet im von der Corona-Krise geprägten Jahr einen neuen Rekord bei den Assets verzeichnen, kann zu einem Teil auch als Vertrauensbeweis des Marktes an die Branche gelesen werden: Fast der gesamte Zuwachs – nämlich sechs Milliarden Euro – kommt aus Nettomittelzuflüssen. Die Anleger ließen sich also nicht beirren und legten mehr Geld an als sie abzogen.

Retailanleger stark
Wobei besonders bemerkenswert ist, dass diesmal für den Zufluss nicht nur institutionelle Anleger verantwortlich sind, die nach Krisen ja in der Regel schneller investiert sind und somit traditionell von der Erholung am meisten profitieren. Diesmal liegen die Publikumsfonds mit Nettozuflüssen von 2,9 Milliarden fast gleichauf mit den institutionellen Fonds (3,1 Milliarden). "Es gab ein breites Vertrauen", zeigte sich Heinz Bednar, Präsident der Vereinigung österreichischer Fondsgesellschaften (VÖIG) bei einer Präsentation erfreut.

Es hätte nicht unbedingt so ausgehen müssen: Im März gab es einen deftigen Nettomittelabfluss von 3,2 Milliarden Euro. Doch das Blatt wendete sich rasch wieder. Der März blieb sogar der einzige Monat, in dem Anleger und Investoren mehr Geld abzogen als sie investierten.

Hohe Outperformance von nachhaltigen Fonds
Bei der Performance hatten Aktienfonds mit plus 4,6 Prozent die Nase vorn. Dabei zeigt die Detailanalyse eine eklatante Outperformance von nachhaltigen Vehikeln: Bei spezifischen ESG-Aktienfonds konnten sich Anleger über ein Plus von über 20 Prozent freuen.

Generell zeigt sich aber, dass die Österreicher weiter lieber die Sicherheitsvariante ansteuern und in Mischfonds gehen. Immer mehr Geld fließt in diese Vehikel während der Anteil reiner Aktien- und Anleihenfonds zusehends schrumpft (siehe Grafiken). 

UZ-49-Fonds legen enorm zu - aber weiter Warten auf KESt-Befreiung
Extrem hoch war mit plus 64,6 Prozent einmal mehr der Volumenszuwachs bei den nachhaltigen Fonds – darunter zählt der VÖIG jene, die das Österreichische Umweltgütesiegel (UZ 49) tragen. 17,4 Milliarden Euro werden mittlerweile nachhaltig verwaltet, während es im Vorjahr noch rund 10,6 Milliarden Euro waren. 96 Fonds – statt 79 im Jahr davor – tragen das Siegel.

Die Freude über diesen Zuwachs ist allerdings mit einer kleinen Eintrübung versehen, weil der Zulauf möglicherweise noch größer sein könnte: Die im Regierungsprogramm versprochene KESt-Befreiung für grüne Produkte ist angesichts der Krise wohl noch länger nicht absehbar. Bei der VÖIG zeigt man Verständnis dafür, dass man sich vorerst darüber nicht mit den Ministerien austauschen kann, da dort alle Kräfte auf die Pandemie-Bewältigung konzentriert sind. Jedenfalls wünscht man sich eine sehr breite Anwendung einer KESt-Befreiung für grüne Produkte. "Wir haben immer gesagt, dass das etwas sein soll, das nicht nur Fondsprodukte betrifft", so Dietmar Rupar, Generalsekretär VÖIG, gegenüber FONDS professionell ONLINE. Das strenge UZ-49 des Umweltministeriums, das auch für andere Investmentvehikel gilt, sei ein guter Orientierungsrahmen. (eml)