Renditeschock in Japan: Zinsen steigen auf 17-Jahres-Hoch
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreicht den höchsten Stand seit 2008. Anleger fürchten ein wachsendes Haushaltsrisiko – insbesondere vor der richtungsweisenden Oberhauswahl am kommenden Sonntag.
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen ist am Dienstag (15.7.) auf 1,595 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit 2008. Der Anstieg um 2,5 Basispunkte zeigt, dass nicht nur langlaufende Papiere (20 bis 40 Jahre), sondern auch zentrale Benchmarks zunehmend unter Druck geraten.
Oberhauswahl als Unruheherd
Ein möglicher Machtverlust der Regierungskoalition bei der Oberhauswahl am Sonntag (20.7.) verunsichert die Märkte zusätzlich. Populistische Wahlversprechen wie direkte Geldtransfers könnten höhere Staatsausgaben und damit steigende Renditen nach sich ziehen. Umfragen deuten auf Verluste für die liberaldemokratische Regierungspartei hin.

Experten schlagen Alarm
"Die größte Schlagzeile in Japan in dieser Woche dürfte der erneute Anstieg der Renditen sein", sagte Amir Anvarzadeh, Japan-Stratege bei Asymmetric Advisors. "Die Bond Vigilantes richten endlich ihr Augenmerk auf Japan", so Anvarzadeh weiter. Er verweist auf die hohe Staatsverschuldung (ca. 250 % des BIP), eine massive Refinanzierungsquote und politische Steuerpläne als Belastungsfaktoren.
Regierung bleibt unbeirrt
Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa erklärte, man beobachte die Marktentwicklung "sehr genau". Fiskalische Bedenken würden jedoch nicht davon abhalten, notwendige Haushaltsmittel bereitzustellen. Der Minister erwartet langfristig eine Stabilisierung der Haushaltslage durch wirtschaftliches Wachstum.
Die Verwerfungen auf dem 7,7-Billionen-Dollar-Anleihemarkt Japans strahlen zunehmend auf globale Bondmärkte aus. Auch die Renditen 20- und 30-jähriger Papiere stiegen am Dienstag auf den höchsten Stand seit 1999, bevor sie leicht zurückgingen.
Die Entwicklung zehnjähriger Renditen ist besonders relevant für Haushalte und Unternehmen, da sie Hypothekenzinsen und Kreditkosten direkt beeinflusst.
Weitere Steuerdiskussionen drohen
Atsushi Takeda, Chefökonom des Itochu Research Institute, sagte: "Sollten Oppositionsparteien die Wahl gewinnen, dürfte die Diskussion über eine Umsatzsteuersenkung die Haushaltsrisiken weiter verschärfen." Umgekehrt könnten Anleger bei einem Sieg der Regierungspartei wieder Vertrauen fassen.
"Rendite-Geist ist aus der Flasche"
"Der gemeinsame Nenner der langfristigen Schulden der USA, Europas und Japans ist, dass zunehmend die Fiskalpolitik – und nicht die Notenbanken – die Marktrenditen bestimmt", so "Bloomberg"-Stratege Mark Cranfield. "Dieser Rendite-Geist ist aus der Flasche – und wird so schnell nicht zurückkehren." (mb/Bloomberg)












