Anleger in Dax-Titeln verdienen ihr Geld vor allem nach Sonnenuntergang. Das hat Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf vom Multi-Family-Office HQ Trust ermittelt. Er hat die täglichen und nächtlichen Renditen von S&P 500 und Dax verglichen. Das Ergebnis: "Während die Nachtrenditen beim S&P 500 keine große Rolle spielten, waren sie beim Dax für die gesamte positive Rendite seit 1993 verantwortlich."

Ein deutscher "Nacht-Investor" hätte im Zeitraum von Dezember 1993 bis August 2022 im Schnitt jährlich ein Plus von 10,2 Prozent gemacht. Ein reiner "Tages-Investor" dagegen hätte 3,6 Prozent pro Jahr verloren. Kielkopf erklärt sich das so: "Wichtige Zahlen aus den USA, aber auch aus China und Japan, werden außerhalb der Dax-Handelszeiten veröffentlicht und entsprechend direkt beim Eröffnungskurs eingepreist."

Auch beim S&P 500 steigen die Nachtrenditen 
Beim amerikanischen S&P 500 fielen durchschnittliche Tagesrenditen von 6,1 Prozent und Nachtrenditen von 1,5 Prozent pro Jahr an. Doch die Analyse zeigt, dass auch in den USA die Bedeutung der Nachtrendite steigt. Im Zeitraum von 1993 bis 2007 waren die Nachtrenditen beim S&P 500 nur für weniger als ein Prozent der Gesamtrendite verantwortlich. Seitdem stieg ihr Anteil auf nun durchschnittlich 33 Prozent.

Für seine Untersuchung hat der Analyst zwei Anlegertypen definiert: Den "Tages-Investor", der immer morgens um 9 Uhr zum Xetra-Eröffnungskurs in den Dax einstieg und täglich um 17:30 Uhr zum Schlusskurs verkaufte. Und den "Nacht-Investor", der genau umgekehrt handelte: Er kaufte zum Dax-Schlusskurs und verkaufte morgens um 9 Uhr zum Eröffnungskurs. Entsprechendes berechnete Kielkopf für den S&P 500. (fp)