Europaweit haben ausländische Investoren im Vorjahr 5.877 Projekte angekündigt, das waren fünf Prozent mehr als im Jahr davor, wie aus der Attractiveness-Untersuchung der Unternehmensberatung EY hervorgeht. Zu den Ländern mit besonders hohen Investitionszuwächsen zählt in dieser Studie Österreich.

Es werden hierzulande 103 Investitionsprojekte gezählt. Das ist ein Plus von 35 Prozent. Den Angaben zufolge wurden dadurch 3.692 Arbeitsplätze geschaffen. Im Pandemiejahr 2020 waren es nur 1.057. Umgekehrt haben auch österreichische Unternehmen im europäischen Ausland den Jobmotor angekurbelt und 5.424 Arbeitsstellen geschaffen. 

Rückentwicklung der Globalisierung: Südländer profitieren
Hohe Investitionszuwächse verzeichneten außerdem die Türkei (plus 27 Prozent), Portugal (plus 30 Prozent) und vor allem Italien (plus 83 Prozent). Vom globalen Trend zur Regionalisierung und der Lieferkettenverkürzung dürften laut EY insbesondere die meisten südeuropäischen Länder profitieren. Das zeigen bereits die guten Entwicklungen in Portugal, Italien und der Türkei. Teils sehe man den Effekt auch in Spanien.

Frankreich baute seine Position als europäischer Top-Investitionsstandort mit 1.222 Projekten aus – vor Großbritannien (993) und Deutschland (841). Während die ersten beiden Länder im Ranking eine Steigerung erzielen konnten, ging der Trend in Deutschland in die entgegengesetzte Richtung: Dort gab es einen Rückgang der angekündigten Projekte um zehn Prozent.

Deutschland wichtigster Investitionspartner Österreichs
Deutsche Unternehmen erwiesen sich jedoch selbst einmal mehr als Investitionsmotor in Europa: Insgesamt 661 Investitionen führten sie im europäischen Ausland durch, das entspricht einem Anstieg um zehn Prozent. Mehr Investitionen – insgesamt 1.167 Projekte – tätigten nur US-Unternehmen.

In Österreich sind die deutschen Nachbarn mit 52 Projekten die wichtigsten Auslandsinvestoren (2020: 34, 2019: 24). Weit abgeschlagen folgen auf dem zweiten Platz die USA mit neun Projekten (2020: 11, 2019: 13). Auf den weiteren Plätzen kommen die Schweiz, die Niederlande sowie Japan und Italien.

Österreichische Auslandsinvestitionen
Deutschland ist umgekehrt für österreichische Investoren mit 29 Projekten ebenfalls unangefochten am attraktivsten (2020: 31, 2019: 30). Auf Platz zwei folgt mit 18 österreichischen Auslandsinvestitionen Großbritannien, danach kommen die Türkei (15), Russland (12) sowie Frankreich (11). Österreichs Unternehmen investierten insgesamt in 126 ausländische Projekte (davor 99).

"Für den Investitionsstandort Europa wird das Jahr 2022 zu einer Bewährungsprobe: Angesichts des Krieges in der Ukraine ist zu befürchten, dass die Investitionstätigkeit in den osteuropäischen Ländern zurückgehen und es im gesamten europäischen Raum zu Verschiebungen kommen wird", so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich. Im Osten Europas wurden 2021 etwa so viele Investitionsprojekte gezählt wie im Jahr davor – der pandemiebedingte Rückgang von 2020 konnte also nicht aufgeholt werden. Anders verlief die Entwicklung im Westen und Süden des Kontinents: Hier stieg die Zahl der Investitionsprojekte um sechs Prozent.

Insgesamt erwartet Reimoser aufgrund des Rückgangs der Globalisierung in den kommenden Jahren verstärkt Investitionen europäischer Unternehmen in Europa. Vor allem die Bereiche Produktion und Logistik sollen profitieren.

London sackt ab, Paris wird attraktiver
Im europäischen Städte-Ranking konnte London zwar den ersten Platz behaupten, verlor aber im Jahresvergleich deutlich an Beliebtheit: Nach 43 Prozent bezeichneten nur noch 34 Prozent London als einen der drei Top-Standorte in Europa. Im Gegenzug gewann Paris erheblich an Attraktivität (von 18 auf 28 Prozent) und ließ Frankfurt (Rückgang von 23 auf 21 Prozent) hinter sich.

Einen kräftigen Image-Gewinn konnte Dublin verbuchen – vermutlich eine Folge des Brexits: Der Anteil der Nennungen stieg von sechs auf 17 Prozent. Berlin belegte mit acht Prozent Platz 13, Wien liegt mit fünf Prozent auf Platz 16. (eml)