Ohne Gewaltanwendung hat eine Bande etliche Bankschließfächer in Wien und Niederösterreich leergeräumt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Betroffen waren die Raiffeisenbank Mödling und eine Bank-Austria-Filiale in Klosterneuburg (beide Niederösterreich) so wie eine Raika-Filiale in der Muthgasse in Wien Döbling. Nach ersten Schätzungen dürfte der Schaden in die Millionen gehen. Genau steht das noch nicht fest, da noch nicht alle Schließfachbesitzer erreicht werden konnten, wie man seitens der Polizei erfährt. Man arbeite mit Hochdruck daran, so ein Sprecher der Landespolizeidirektion Niederösterreich, die am Wochenende auch Bilder aus Überwachungskameras veröffentlicht hat.

Der spektakuläre Coup wirft aus Sicht der Kunden nicht nur sicherheitstechnische Fragen auf – die Banken besaßen laut einem Bericht des "Kurier", der den Fall aufdeckte, moderne digitale Anlagen. Zunehmend rückt nun auch die Haftung der Banken ins Zentrum: Mehrere Konsumentenschützer und Anwälte machen darauf aufmerksam, dass die Grenze der Institute in der Regel bei wenigen tausend Euro liegt.

Gesamten Besitz dokumentieren
So sagte etwa Manfred Neubauer von der Arbeiterkammer Niederösterreich gegenüber Orf.at, dass in der Regel die Haftung der Kreditinstitute laut den AGBs bei 3.000 bis 4.000 Euro liegt. Als Kunde müsse man privat schauen, ob man die Wertgegenstände zusätzlich versichern kann. Auf jeden Fall solle man alle Besitztümer im Safe dokumentieren. "Safefächer sind gemäß der vertraglichen Vereinbarung mit dem Kunden mit einer Summe von 3.635 Euro versichert. Der Abschluss von Zusatzversicherungen obliegt dem Kunden", bestätigt ein Bank-Austria-Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE. Die Raiffeisenbank Mödling antwortete auf eine Anfrage der Redaktion bislang nicht.

Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereines (VSV), stellt diese Haftungsgrenzen mit Verweis auf das Recht in anderen Bereichen zur Frage: Bei Zahlungskarten sei diese Thematik nämlich inzwischen gesetzlich zugunsten der Kunden gelöst worden. Wenn der Kunde nicht grob fahrlässig war, ist seine Haftung bei Missbrauch mit 50 Euro begrenzt, so Kolba. Dass das für Safe-Anlagen nicht gilt, sei zu hinterfragen. Die Bank müsse für die Funktionsfähigkeit der technischen Systeme haften. "Ich fordere den VKI auf, diese Frage mit Verbandsklage gerichtlich zu klären," so Kolba.

"Zwei Mal zahlen unverständlich"
Auch Oliver Jaindl, Obmann des Vereins Cobin Claims, kritisiert, dass man für mehr Schutz Zusatz-Versicherungen erwerben muss. "Wenn man sich einen sicheren Safe in einer Bank mietet, ist es unverständlich, warum man als Kunde zweimal zahlen muss, um seinen Schaden ersetzt zu bekommen, falls es tatsächlich zu einem Einbruch kommt", so der Jurist, Jaindl regt an, dass die AGB der Banken darauf hin überprüft werden, ob diese gröblich benachteiligend sind.

Anwalt Wolfgang Haslinger ortet laut Ausendung "eine Haftung der Banken wegen Verletzung von Aufklärungspflichten und/oder eine Warnpflichtverletzung über mögliche Sicherheitslücken". Weiters sei die Verletzung von Verkehrssicherungspflichten der Bank gegenüber Kunden zu prüfen. "Nach bisheriger Judikatur könnten Banken für Schäden der Kunden haften", so der Rechtsanwalt.

Abwägung von Sicherheit und Kosten
Safe-Kunden stehen nun vor der Frage, was besser ist: Wertsachen zu Hause in einen Tresor geben, oder bei der Bank dafür zahlen, wobei die Sicherheit ebenfalls nicht hundertprozentig gewährleistet ist. Bei der Bank Austria heißt es, der Preis der Safeboxen variiere je nach Größe. Der Preis pro Jahr liege aktuell bei rund 50 Euro für ein Safefach von 5,50 dm3. Es werden Safes bis zu einer Größe von 300 dm3 angeboten.

Der Bank-Austria-Sprecher sagte, es seien in der Filiale Klosterneuburg einige wenige Safeboxen in der Safeanlage, "die den höchsten Sicherheitsstandards entspricht“, aufgebrochen worden. Man bedauere den Vorfall sehr, "die Ursachen dieses Einzelfalls werden aktuell mit unseren Dienstleistern und den Behörden detailliert untersucht“, so der Sprecher. Die betroffenen Kunden seien direkt und persönlich informiert worden. (eml)