Im Jahr 2003 wurde die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV) eingeführt – ein Prestigeprojekt der schwarz-blauen Regierung. Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und sein damaliger Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) hatten sich auf die Fahnen geheftet, das Pensionssystem zu retten, indem sie die Eigeninitiative der Bürger ankurbeln, die vom traditionellen Sparbuchsparer zum Aktienanleger werden sollten. Aus dem "sozialpolitischen Meilenstein" wurde ein Ladenhüter. Viele Produkte konnten ihre Versprechungen angesichts hoher Kosten, schlechter Performances und schlussendlich durch eine Halbierung des staatlichen Zuschusses (2012) nicht erfüllen. Die soeben veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2018 schlüsseln das Elend erneut auf.

Die Anzahl an ausstehenden PZV-Verträgen war das siebente Jahr in Folge rückläufig, teilt die Finanzmarktaufsicht (FMA) mit. Nach dem Höchststand im Jahr 2012 mit 1,64 Millionen Verträgen (1,54 bei Lebensversicherungen, 97.000 bei Fondsgesellschaften) gab es zum Ende des Vorjahres nur mehr einen Gesamtbestand von etwa 1,2 Millionen Stück. Das entspricht einem Rückgang um 26,83 Prozent. Allein 2018 betrug das Minus 7,1 Prozent, heißt es in dem neuen Jahresreport zur PZV.

KAGs verschwinden aus dem Markt
Erstmals rückläufig war das verwaltete Vermögen selbst mit einem Minus von 3,7 Prozent. Es lag zum Jahresende bei 8,65 Milliarden Euro. Die Nettoeinzahlungen (abgegrenzte Prämien) beliefen sich im vergangenen Jahr auf  837,8 Millionen Euro, ein Minus von 2,8 Prozent zum Jahr davor. Besonders hoch war der Rückgang der Einzahlungen mit minus 43 Prozent bei den Kapitalanlagegesellschaften (KAGs). Sie verwalten insgesamt nur noch einen kleinen Wert von 106 Millionen Euro in der PZV. Der Bestand macht gerade einmal 8.881 Stück aus.

Die KAGs verkaufen seit Jahren keine neuen Verträge mehr, der letzte Anbieter stellte sein Neugeschäft 2010 ein. Durch die kurze Laufzeit ihrer Altverträge (zehn Jahre) ist überdies der Großteil bereits abgereift. Der Altbestand verteilt sich auf nur zwei KAGs. "Kommendes Jahr werden die KAGs aus dem PZV-Markt praktisch vollständig verschwunden sein", schreibt die FMA.

Zahl der Neuverträge wieder gestiegen
Von den 19 Versicherungsunternehmen mit PZV-Beständen haben 2018 nur noch fünf Neuverträge verkauft. Erstaunlich: Erstmals seit Langem hatten die Versicherer bei der reinen Zahl der Neuabschlüsse ein Plus – und zwar sehr deutlich: Es wurden 15.921 neue PZV-Polizzen verkauft, das ist ein Plus um zehn Prozent gegenüber 2017. Da gleichzeitig knapp über 100.000 Verträge abreiften oder gekündigt wurden, sank allerdings der Bestand an PZV-Versicherungsverträgen trotzdem das fünfte Jahr in Folge.

Der Mut der Neueinsteiger dürfte im Vorjahr jedenfalls nicht belohnt worden sein: 2018 hatte die PZV zum dritten Mal in ihrer Geschichte (nach 2008 und 2011) eine negative Veranlagungsperformance – dies sogar vor Garantie- und anderen Kosten. Es steht ein Minus von 2,8 Prozent zu Buche. Wohlgemerkt: Als staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt verpflichtet der Gesetzgeber die Anbieter bekanntlich, zumindest eine Garantie auf den Erhalt der eingezahlten Nominalprämien zu geben.

Ausgestoppte Verträge gesunken
Sind bei einem Produkt bereits so hohe Veranlagungsverluste aufgelaufen, dass mit den vorhandenen Vermögenswerten am Ende der Laufzeit nur mehr das eingezahlte Kapital verrentet werden kann, so spricht man von einem "ausgestoppten Vertrag". 2018 waren 1,5 Prozent der PZV-Verträge von Versicherungen ausgestoppt (davor 1,6 Prozent). Bei KAGs waren es sieben Prozent (keine Vorjahresangaben). Bei diesen Polizzen lag die ertragswirksame Aktienquote am Veranlagungsportfolio unter einem Prozent, womit diese Verträge nicht oder kaum mehr an künftigen positiven Entwicklungen der Kapitalmärkte teilnehmen können.

Seit 2012, als die staatliche Prämie zur Förderung der PZV-Produkte halbiert wurde, beträgt diese 4,25 Prozent. (eml)