Nach Jahren der Sparsamkeit hat sich Griechenland für einen Neuanfang entschieden: Die Linkspartei Syriza und ihr Chef, Alexis Tsipras, verloren im Juli nach mehr als vier Jahren Regierungszeit die Mehrheit im Parlament. Nun steht die liberal-konservative Partei Nea Dimokratia unter der Leitung von Kyriakos Mitsotakis an der Spitze des Landes. Das ist eine gute Nachricht für Unternehmen und Investoren, ist Nicolas Roth überzeugt, der bei Schweizer Bankengruppe Reyl & Cie den Bereich Alternative Investments verantwortet.

Denn Mitsotakis und seine Partei verlieren keine Zeit und gehen Reformen direkt an: Erste Amtshandlung war eine Senkung des Unternehmensteuersatzes von 28 auf 20 Prozent über einen Zeitraum von zwei Jahren. Auch die Liegenschaftssteuer hat die neue Regierung um 30 Prozent reduziert. Sie war von Tsipras in der Zeit der Sparpolitik eingeführt worden und bei den Bürgern auf starken Widerstand gestoßen. "Der Premierminister verabschiedete auch mehrere Maßnahmen zur Vereinfachung der derzeitigen Bürokratieprozesse, die von der Opposition als Machtkonzentration erachtet werden", sagt Roth.

Auch bei den Investitionen geht es vorwärts
Bei den Investitionen hebt der Finanzexperte zwei Projekte hervor, die von der Nea Dimokratia aktuell vorangetrieben werden: die Privatisierung und Bebauung des ehemaligen Athener Flughafens Hellinikon sowie der Ausbau des Haupthafens in Piräus. Beide Projekte sind schon länger ausgeschrieben, wurden aber immer wieder nach hinten geschoben. "Premierminister Mitsotakis verpflichtete sich, den sofortigen Start des Hellinikon-Projekts einzuleiten, um mehr ausländische Investoren zu erreichen, die nach kleineren Transaktionen trachten", sagt Roth. Der ehemalige Flughafen gilt als größtes Sanierungsprojekt Europas. Ein Erfolg des ehrgeizigen Projekts wäre Roth zufolge ein starkes Plus für den Investitionsstandort Griechenland. (fp)