Deflation ist in vielen Volkswirtschaften nach wie vor eine reale Gefahr. Die Zentralbanken sehen sich deshalb gezwungen, weitere Impulse zu geben. Zugleich wachsen aber auch ihre Befürchtungen, die Kapitalmärkte mit ihrem billigen Geld über das gesunde Maß hinaus zu verzerren und so bei Anlegern eine überhöhte Risikobereitschaft zu provozieren. "Daher wenden sich die Zentralbanker zunehmend von Zinssenkungen ab und wollen stattdessen Impulse durch die Ausweitung ihrer Bilanzen und ihre 'Forward Guidance' setzen", sagt Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Global Investors (PGI).

Eigentlich müsste das für Sparer eine gute Nachricht sein. Shah warnt allerdings vor zu viel Optimismus: Die Nullzinswelt wird nicht über Nacht verschwinden. "Einen deutlichen Anstieg der Anleiherenditen wird es nur geben, wenn die Märkte beginnen, eine geldpolitische Straffung zu erwarten", sagt die Strategin. Von diesem Szenario sei die Welt noch Jahre entfernt.

Geldpolitik stimuliert immer weniger
Europäische und japanische Anleihen sollten damit im kommenden Jahr nur leicht unter Druck geraten. Die Renditen von US-Staatsanleihen werden 2020 Shah zufolge wohl bei rund zwei Prozent liegen. Aktien dürften sich ihrer Prognose nach etwas besser entwickeln, weil die anhaltende Liquidität der Zentralbanken die Kurse weiter anheizt.

Allerdings würden geldpolitische Impulse auch hier immer weniger Wirkung zeigen. "Der Kursanstieg wird also nur über steigende Bewertungen kommen – nicht über Gewinnwachstum", analysiert die Strategin und prognostiziert eine wachsende Diskrepanz zwischen unbefriedigenden Gewinnen und hohen Bewertungen. Die Aktienmärkte dürften daher 2020 ins Straucheln geraten. (fp)