Die internationalen Aktienmärkte haben ihre infolge des US-Angriffs auf den Iran eingefahrenen Verluste vollständig ausgebügelt. Der S&P 500 und der Euro Stoxx 50 notieren wieder nahe ihrer Höchststände. Getrieben werden die Märkte von einer deutlichen Aufhellung der Anlegerstimmung sowie einer insgesamt robusten Marktstruktur. Bantleon-Portfoliomanager Marcio Costa sieht gute Chancen für weitere Kursanstiege, warnt allerdings vor der Anfälligkeit gegenüber Schwankungen.

Sentiment dreht, Marktbreite überzeugt
Nach dem zwischenzeitlichen Rückgang – der S&P 500 verlor rund zehn Prozent, der Euro Stoxx zeitweise bis zu 13 Prozent – habe sich das Sentiment spürbar verbessert. Ausschlaggebend waren laut Costa insbesondere die Waffenruhe sowie die zumindest angestrebte Wiederaufnahme von Verhandlungen. Entsprechend hätten sich auch wichtige Stimmungsindikatoren deutlich erholt, so Costa. So sei der "CNN Fear and Greed"-Indikator von 14 auf 66 gestiegen und befindet sich damit leicht unterhalb des neutralen Niveaus.

Auch die gestiegene Marktbreite ist seiner Meinung nach ein gutes Zeichen: "Nachdem sich im März nur 45 Prozent der globalen Länderindizes positiv entwickelt hatten, stieg die Zahl im April erneut auf 85 Prozent, was einer robusten geografischen Marktbreite entspricht." Innerhalb des S&P 500 handeln demnach 60 Prozent der Titel oberhalb der 200-Tage-Linie, im Euro Stoxx sind es 63 Prozent. Diese Marktbreite bewertet Costa positiv. Einen weiteren stabilisierenden Faktor sieht er in der Bewertung der großen Technologiewerte: Trotz ihres noch immer hohen Indexgewichts seien sie auf Basis der Gewinnerwartungen inzwischen moderater bewertet als noch zu Jahresbeginn.

Saisonale Effekte und Politik im Fokus
Trotz des konstruktiven Gesamtbildes dürften die Märkte weiter zu stärkeren Schwankungen neigen, so der Portfoliomanager. Dafür sprechen seiner Meinung nach saisonale Muster, da die Sommermonate erfahrungsgemäß anfälliger für Korrekturen sind. Eine abnehmende Liquidität verstärke diesen Effekt zusätzlich. Dazu kommen auch politische Unsicherheiten: Die anstehenden Zwischenwahlen in den USA gelten laut Costa traditionell als Belastungsfaktor für die Märkte. Insgesamt zeichnet er ein vorsichtig konstruktives Bild für die kommenden Monate, was einen weiteren Anstieg für Indizes wie S&P 500 und Euro Stoxx erwarten lässt. (jh)