So genannte sichere Häfen sind für Anleger eine kostspielige Angelegenheit. "Bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen ergibt sich nach Inflation ein Zins von fast minus zwei Prozent. Auch Corporate Bonds sind nicht attraktiv. Hier liegen die Renditen 2,55 Prozentpunkte unter der durchschnittlichen Dividendenrendite. Dabei bekomme ich aber bei den Aktien noch das Wertsteigerungspotenzial dazu“, fasst Florian Rainer seine deutliche Vorliebe für Aktien zusammen.

Er setzt im Wiener Privatbank European Equity Fund auf hochqualitative Titel mit guter Dividendenrendite (im Durchschnitt 3,2 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen im Portfolio hat die Dividende in den vergangenen zehn Jahren (respektive seit Bestehen) jährlich angehoben oder gleichbehalten. Der Fonds hat sich mit einem jährlichen Perfomanceplus von 4,9 Prozent gerechnet über die vergangenen fünf Jahre im Sektorenvergleich gut entwickelt.

"Jede Wette, dass Tech-Titel nachlassen"
Insbesondere europäische Aktienmärkte seien nach gängigen Ratios nicht überbewertet, so Rainer. Ein ATX mit einem KGV von rund zwölf oder ein Dax bei gut 13 so wie ein Euro Stoxx 50 mit einem 14er KGV liegen deutlich unter dem US-Index S&P 500 mit einem Wert von über 17. Europäische Märkte hätten ein hohes Aufholpotenzial gegenüber den US-Börsen, insbesondere würden die politischen Risiken in Europa überschätzt, sagte Rainer im Gespräch mit Journalisten und Anlageberatern.

Er zeigt sich besonders skeptisch, was die großen, sehr hoch bewerteten Tech-Titel betrifft. "Ich traue mir jede Wette einzugehen, dass Growthaktien wie Netflix oder Wirecard auf zwölf Monate gegenüber Quality-Titeln underperformen werden", so Rainer. Gerade an den US-Börsen sei die Outperformance stark durch Tech-Riesen angetrieben worden, begründet er seine Zurückhaltung gegenüber dem US-Markt.

Top-Picks
Seine fünf größten Positionen im WPB European Equity Fonds: Total (Attraktive Free Cash Flows und "ein Ölpreis um die 50 ist langfristig zu niedrig"), Unilever (Laut Rainer der momentan "am besten aufgestellte Konsumgüterkonzern"), SAP ("ein oligopolistisches Geschäftsmodell. SAP macht sich etliche Geschäftsfelder weitgehend allein mit Oracle aus"), Britisch American Tobacco ("Markteintritte schwer möglich, aufgrund von Werbeverboten, gut aufgestellt mit E-Zigaretten") – und CA Immo.

Die österreichische CA Immo sei einer der attraktivsten Immobilientitel europaweit, so Rainer. Die Entwicklungspipeline sei überzeugend, die Märkte sehr attraktiv (Österreich, Deutschland, CEE), und nicht zuletzt hinterlasse US-Investor Starwood, der heuer eingestiegen ist, einen guten Eindruck, so Rainer. Der Titel findet sich jedenfalls nicht nur in diesem Fonds wieder, sondern auch in dem von Rainer ebenfalls verantworteten Wiener Privatbank European Property.

Keine Immobilienblase
Der Fonds zählt mit einer annualisierten Performance von rund 12,5 Prozent auf die vergangenen fünf Jahre zu den besten seiner Art. Sorgen wegen überhitzter Märkte hat Rainer trotz der Preisentwicklungen vergangener Jahre nicht. Die Immobilienpreise seien zwar in einigen europäischen Städten historisch hoch. Hintergrund sei aber nicht der Anlagenotstand, vielmehr sei nach der Finanzkrise zu wenig in den Wohnbau investiert wurden, behördliche Entscheidungen fallen zu langsam für den tatsächlichen Bedarf, der Zuzug in die Städte halte weiter an.

Besonders attraktiv seien CEE-Märkte und der Deutsche Gewerbemarkt. Letzteres verdeutlicht etwa das auf Gewerbe fokussierte Immobilienunternehmen Aroundtown. "Aroundtown schafft es, Immobilien innerhalb weniger Monate so umzumodellieren, dass diese rasch ertragreich sind. Als sie in Deutschland in den Markt gingen, haben alle gelacht, jetzt sind sie die größten bei Gewerbeimmobilien", so Rainer. Auch die Wiener Immofinanz zählt zu den Favoriten in diesem zuletzt sehr einträglichen Portfolio: "Die Immofinanz muss zwar noch profitabler werden, aber der Abschlag zum NAV ist deutlich zu hoch, sprich die Aktie deutlich zu billig", so der Experte. (eml)