Portfoliomanager: China als "Swing-Faktor" im Dax
China hat die Macht, einzelne Dax-Firmen nach oben oder unten zu treiben, sagt Timo Steinbusch von der Apobank. Den Gesamtindex treibe aber eher die globale Konjunktur.
Der Dax hat vor Kurzem noch neue Rekorde erreicht. Doch dahinter verbergen sich sehr unterschiedliche Gewinner und Verlierer. Während einige Industrie- und Technologiewerte stark zulegten, standen die deutschen Autobauer unter Druck. Wer im Dax oben und wer unten steht, liegt auch am China-Faktor, meint Timo Steinbusch, Leiter des Portfoliomanagements bei der Apobank.
Dax: Ein Etikett, zwei Storys
"Der Dax ist derzeit kein einheitlicher Markt, sondern das gemeinsame Etikett für zwei völlig unterschiedliche wirtschaftliche Geschichten", sagt Steinbusch. So sei Infineon um fast 50 Prozent gestiegen und auch BASF, Siemens und Allianz legten zweistellig zu. Demgegenüber notierten die großen Autohersteller klar im Minus. Zwischen Infineon und BMW lagen zuletzt rund 80 Prozentpunkte Performanceunterschied, so der Portfoliomanager.
Diese Kluft ist laut Steinbusch nicht nur konjunkturell bedingt, sondern liegt auch an China: "Vor allem in China haben die deutschen Autobauer ein strukturelles Wettbewerbsproblem. Deutsche Marken verlieren Marktanteile, während lokale Anbieter und der Wandel zur Elektromobilität den Druck erhöhen." Die Folge: Die deutschen Fahrzeug- und Teileexporte nach China liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau, aber auch die Absatzzahlen aus den lokal produzierenden Werken sind weiter unter Druck.
Starker Einfluss auf einzelne Branchen
Für Anleger sei China kein einheitlicher Rückenwind, so der Portfoliomanager. Es komme entscheidend darauf an, wo die chinesische Regierung ihre wirtschaftspolitischen Akzente setze. Steinbusch sagt: "Infrastruktur- und Produktionsprogramme wirken direkter auf Chemie, Automatisierung und Halbleiter, während Konsumimpulse die deutschen Premiumhersteller später und mit größerer Unsicherheit erreichen. BASF etwa profitiert stärker von einer industriell geprägten Erholung als ein reiner Konsumimpuls es könnte."
China ist damit seiner Meinung nach ein wichtiger "Swing-Faktor" für einzelne Unternehmen. Für den Gesamtmarkt bleibe dagegen das globale Wachstum der wichtigste Treiber. Steinbusch sagt: "Für Anleger zählt deshalb weniger der Dax als Ganzes, sondern die bewusste Entscheidung, welche dieser beiden Geschichten sie im Portfolio spielen wollen." (jh)















