Die Wachstumsprognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) tendieren nach unten. Die Frage ist, ob die Notenbank genügend Schlagkraft und Unterstützung in der Bevölkerung und vor allem ausreichend Zeit besitzt, um die Wirtschaft in der nächsten Rezession zu unterstützen, sagt Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Pimco.

Die Investmentgesellschaft geht davon aus, dass die Wachstumsdynamik in der Währungsunion im Jahr 2019 so stark bleibt, dass die EZB den Einlagenzinssatz um 15 Basispunkte auf minus 0,25 Prozent anheben kann. Im Folgejahr könnte die Inlandsnachfrage es der Notenbank sogar ermöglichen, den Zinssatz für Einlagenfazilitäten auf bis zu 0,25 Prozent zu steigern.

Negativzinsen als neue Normalität
Über das Jahr 2020 hinaus dürfte die weltweite Konjunkturverlangsamung die Pläne der EZB allerdings zum Stillstand bringen, prognostiziert Bosomworth. "Wir gehen davon aus, dass die EZB auch im Jahr 2021 noch eine hohe Bilanz aufweist und dass die Zinssätze, wenn überhaupt, nicht weit von Null entfernt sein werden." Ein großer Spielraum für Konjunktur-Stimuli sieht anders aus.

Auch verringerte Inflationserwartungen könnten der Notenbank einen Strich durch die Rechnung machen. Der EZB könnte es so möglicherweise nicht gelingen, ihre Geldpolitik zu normalisieren, bevor die nächste Rezession da ist, warnt der Pimco-Experte. "Anleihenkaufprogramme und negative Zinssätze würden zu einem quasi-permanenten Bestandteil der europäischen Finanzlandschaft werden", sagt er. (fp)