Auf ihrer jüngsten Sitzung gab die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Fahrplan bekannt: Das Anleihekaufprogramm endet Schritt für Schritt, die Zinsen bleiben aber weiterhin bei null. Die Fed begründete ihre Entscheidung damit, dass die Inflation nur vorübergehend sei. Genau an diesem Punkt sehen die Ökonominnen Tiffany Wilding und Allison Boxer vom Vermögensverwalter Pimco ein Risiko, das die Notenbank in eine schwierige Situation manövriert: "Auch wenn wir mit der Fed darin übereinstimmen, dass sich die derzeit hohe Inflation wahrscheinlich auflösen wird, scheint dies nun länger zu dauern als ursprünglich angenommen", schreiben sie in einem Kommentar.

Die Expertinnen gehen wie viele andere Marktbeobachter davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im ersten Quartal 2023 erhöhen wird. Allerdings sehen sie Risiken, die für eine frühere Zinserhöhung sprechen – allen voran die Inflation. So sind Wilding und Boxer der Ansicht, "dass die anhaltende Verschiebung der Marktpreise Aufwärtsrisiken für die Inflation sowohl in den USA als auch auf globaler Ebene widerspiegelt." Fed-Vorsitzender Jerome Powell hatte in der jüngsten Sitzung bereits angekündigt, bei Bedarf zu handeln, sollte die Inflation gezügelt werden müssen.

Renditen langlaufender Anleihen gesunken
Die Ökonominnen sehen weitere Hinweise für eine mögliche verfrühte Straffung der Geldpolitik. So sind die Renditen von Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit in den vergangenen Wochen in vielen Ländern stark gestiegen. Die Renditen von Anleihen mit längerer Laufzeit sind dagegen leicht gefallen. "Diese Abflachung der Renditekurven deutet darauf hin, dass Anleger davon ausgehen, dass die Zentralbanken in mehreren Industrieländern früher und schneller als bisher angenommen mit einer Straffung der Geldpolitik beginnen werden", kommentieren Wilding und Baxter. (fp)