Die europäischen Staaten müssen auf fiskal- und geldpolitischer Ebene eng und engagiert zusammenarbeiten, um die wirtschaftlichen Schäden der Coronakrise zu begrenzen, sagt Pimco-Portfoliomanager Nicola Mai. Er befürchtet allerdings, dass Europa in dieser Hinsicht zu träge ist und sich zu langsam bewegt. "Für die politischen Entscheidungsträger rückt die Stunde der Wahrheit näher", sagt er. Denn die Rezession im Fahrwasser der Covid-19-Pandemie könnte noch tiefer ausfallen als erwartet.

Das Basisszenario von Pimco sieht so aus, dass die Wirtschaft in der Eurozone im laufenden Jahr um rund zehn Prozent schrumpft. Diverse Risiken könnten aber zu einem noch stärkeren Einbruch führen – vor allem Zweitrundeneffekte in Folge von höherer Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und einem veränderten Konsumverhalten. Diese Risiken sind sehr präsent, warnt Mai. So legen Berichte aus Großbritannien nahe, dass dort drei Viertel aller Bar- und Restaurantbesitzer pleitegehen könnten.

Kredite allein sind nicht die Lösung
Für viele Unternehmer wird es auf lange Zeit hinaus keine Rückkehr zur Normalität geben. Das spricht dafür, fiskalpolitische Hilfen nicht nur schnell und offensiv zu gewähren, sondern dauerhaft und umfassend, sagt der Pimco-Experte. "Die Zentralbank muss derweil ihre Strategie mit den fiskalpolitischen Entscheidungen der Mitgliedsländer koordinieren und den öffentlichen Bilanzen der einzelnen Staaten Stabilität verleihen", fordert er.

Um die angepeilte Summe von mindestens einer Billion Euro an Finanzhilfen zu erreichen, müsste ein Großteil der Unterstützung in Form nicht-rückzahlungspflichtiger Beihilfen oder Zuschüsse gewährt werden, sagt Mai. "Wenn nicht-rückzahlungspflichtige Zuschüsse aber nicht mehr als 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone ausmachen dürfen, würde der Löwenanteil der fiskalischen Unterstützung in Form von Krediten an die Mitgliedsländer gewährt", erklärt er. Diese sind nur dann sinnvoll, wenn sie sehr lange Laufzeiten haben und sehr niedrig verzinst sowie nicht an weitere Bedingungen geknüpft sind. 

Es dürfte schwierig werden, sich auf solche Konditionen zu einigen, befürchtet der Investmentspezialist. Je länger Europas Politiker allerdings bei der geld- und fiskalpolitischen Kooperation zögern, desto größer fallen die wirtschaftlichen und sozialen Schäden aus und desto stärker wächst Risiko, dass die Pandemie-Folgen außer Kontrolle geraten. (fp)